Nachhaltigkeit

28.04.2017

EU wird Nachhaltigkeitsstandards in der Bekleidungs- und Schuhbranche gesetzlich verankern

Am 27. April hat das EU Parlament die EU Kommission beauftragt, gesetzliche Vorgaben für Sozial- und Umweltstandards in der Bekleidungs- und Schuhbranche zu erarbeiten. Dies ist ein bemerkenswerter Entscheid, welcher die Lieferketten in der EU Bekleidungsindustrie massiv beeinflussen wird.

In der «EU Flagship Initiative for the garment and footwear sector» enthalten sind Schlagwörter wie EU-weite Labellingstandards für soziale Nachhaltigkeit, Vereinheitlichung von Nachhaltigkeitsstandards zur Verminderung von Audits, (digitale) Instrumente zur Produkte-Rückverfolgbarkeit, Beurteilung von Unternehmen nach Nachhaltigkeitsindizies (zB. Higg-Index) oder Existenzlohn. Die Schlüsselrolle der Konsumenten im Bestreben nach mehr Nachhaltigkeit in den europäischen Lieferketten der Bekleidungsindustrie wird vom Parlament anerkannt. Der Entwurf des Berichtes ist hier zu finden.

Die Schweizer Bekleidungsindustrie wird von einem solchen Gesetz betroffen sein, da sie Teil der europäischen Lieferketten ist bzw. die EU einer der wichtigsten Absatzmärkte ist. Swiss Textiles sieht durchaus Chancen für die KMU in diesem Gesetz: Eine Reduktion der zahlreichen Textilstandards und eine Verheinheitlichung der Sozialaudits ist von grösstem Interesse für die KMU. Auch wird die Beschaffung nachhaltiger Vormaterialien einfacher, wenn sich die Lieferketten durch die Mitwirkung grosser Unternehmen insgesamt verbessern.

Die Gefahr eines solchen Gesetzes ist aber, dass damit Administrativaufwand generiert wird, ohne Nachhaltigkeitswirkung zu erzielen. Swiss Textiles wird sich deshalb über den Dachverband Euratex dafür einsetzen, dass der Gesetzesentwurf auf die Heterogenität der KMU Rücksicht nimmt und «das Rad nicht neu erfunden wird». Die EU Kommission sollte sich an bestehenden freiwilligen Intiaitiven oder an den im Februar erschienen erschienen OECD Due Diligence Guidelines für die Bekleidungs und Schuhindustrie orientieren und darauf aufbauen. Wenn das Gesetz entsprechend KMU-freundlich gestaltet wird, ist im Sinne der Nachhaltigkeit dagegen wenig einzuwenden.

Für weiterführende Informationen steht Ihnen nina.bachmann@swisstextiles.ch gerne zur Verfügung.

 

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