Development Never Stops LLC

Innovation
macht sich bezahlt

— Von Jeroen van Rooijen
Die Firma Development Never Stops im zürcherischen Adliswil entwickelt textile Prototypen für Sportbekleidungs- und Modemarken. Das Atelier steht mit seiner Dienstleistung in Europa ziemlich einzigartig da.

Die Gebäude der einstigen mechanischen Seidenstoffweberei MSA an der Sihl in Adliswil sind ein weitläufiger Komplex. Sie berichten eindrucksvoll von einer Zeit, als Textilhandwerk in der Schweiz noch «Big Business» war. In den alten Mauern haben sich verschiedene Handwerker und KMUs eingenistet – nicht zuletzt auch eine Firma, die zu den zukunftsträchtigsten und innovativsten ihrer Art gehört: Development Never Stops. Der Firmenname ist Programm: Das siebenköpfige Team hat sich dem permanenten Wandel verpflichtet und entwickeln textile Prototypen, die weltweit gefragt sind. Soeben haben sie mit ihren für Black Yak entwickelten Ideen korbweise Preise an der ISPO in München eingeheimst.

Ein Bergsportler, der von einer Tour im Himalaya zurck kam, bespricht mit der Produktentwicklerin von DNS nderungen an einem getesteten Prototypen.


Development Never Stops – oder auch einfach DNS – wurde 2009 von Marcel Geser, Thomas Deutschenbaur und Matthieu Häuslein gegründet. Alle drei hatten eine klassische Schneiderlehre absolviert und danach in verschiedenen Positionen im In- und Ausland gearbeitet, bevor sie ihr gemeinsames Abenteuer starteten. Seit drei Jahren führen Geser und Deutschenbaur die Firma – und zwar mit Erfolg. DNS gehört zu einer Handvoll hoch spezialisierter Hightechateliers, in denen die Zukunft der (Sport-)Bekleidung entwickelt wird. Hier werden Prototypen nicht nur entworfen und zur Schnittreife gebracht, sondern auch gleich mit den neuesten technischen Mitteln genäht, geklebt, gelasert oder verschweisst.

In der Sportmode wird zwar noch immer viel genht, aber immer fter auch gesschweisst und geklebt. DNS hat die ntigen Maschinen dafr.
Manche Maschine, die bei DNS im Einsatz ist, hat nicht mehr viel gemein mit einer klassischen Nhmaschine  diese hier verschweisst und verklebt Nhte in einem Arbeitsgang.


Marcel Geser, 36 Jahre jung und mit seinen langen Haaren und der Wollmütze noch immer mit dem jugendlichen Habitus des Profisportlers gesegnet (er war einmal im Schweizer Nationalkader der Mountainbiker), sagt: «Experimentieren und ausprobieren ist unsere Spezialität.» Was wie ein Privileg der Kreativen klingt, ist tatsächlich das Kapital von Development Never Stops: Nur ein von Produktion und Alltagsgeschäft einer Marke abgekoppeltes «Forschungszentrum» kann es sich auch leisten, nicht immer den direktesten Weg zu gehen. «Das müssen wir auch immer wieder unseren Kunden klarmachen», erklärt Geser, «sie müssen das verstehen und erkennen, dass die Experimente einen Mehrwert darstellen können.» Sinnvoll sei es daher, den Kunden an den Prozessen teilhaben zu lassen.

Weltmarken und Militär

Zu den Kunden von Development Never Stops gehören zum einen namhafte internationale Marken wie Adidas, Victorinox, The North Face, Falke oder Oakley, andererseits aber auch kleine, innovative Labels wie Qwstion oder Mirjam May, die an der Fusion von urbaner Alltags- und funktioneller Sportbekleidung arbeiten. Ausserdem hat DNS während der letzten drei Jahre intensiv an den neuen Outfits der Schweizer Armee gearbeitet und für die Schweizer Streitkräfte insgesamt mehr als 45 Prototypen entwickelt.
DNS fertigt produktionsreife Prototypen, aber keine Serien. Den Maschinenpark dazu hätten Marcel Geser und sein Team zwar – in Adliswil stehen Dutzende hoch spezialisierter Maschinen –, doch fehlt ihnen der unternehmerische Eifer, selbst am Markt aktiv zu werden. «Es wäre zwar naheliegend, wenn wir nun ein eigenes Label machen würden, denn wir hätten das Know-how bis hin zum fertigen Produkt», sagt Marcel Geser. Doch er weiss auch: «Für einen erfolgreichen Launch von Produkten braucht es aber noch viel mehr: eine Organisation, Verkauf, Logistik und Marketing – das können und wollen wir nicht.»

«Um neue Lösungen zu finden, muss
man oft lange Wege gehen, Abkürzungen
sind nicht möglich.»

Stattdessen bietet DNS seine Dienste und Kreativität anderen an. Oft auch potenten Akteuren, von denen man eigentlich erwarten dürfte, dass sie das, was die Adliswiler vollbringen, auch selbst können. Doch das ist schon lange nicht mehr so. «Die meisten Modefirmen haben heute keine interne Produktentwicklung mehr», sagt Geser. «Ich schätze den Anteil derer, die noch eigene Kompetenzen im Prototyping haben, auf unter zehn Prozent des Marktes.» Die Firmen, gerade multinationale Unternehmen von einer gewissen Grösse, würden heute eben nicht mehr von Produkt-, sondern Marketing-, Management- oder Finanzspezialisten geführt. Diese holen sich dann die externe Expertise – etwa bei DNS. Geser weiss: «Wir sind dabei sicher nicht für die günstigsten Produkte zuständig, sondern für die innovativen Nischen.»

Eine Mitarbeiterin von DNS verklebt mit wasserdichten, vom Laser ausgeschnittenen Kunststoffrahmen die Kontur einer eingenhten Tasche.
Wellington ist der Lehrling bei DNS und lernt von der Pike auf,
wie man heute Kleidung zuschneidet und industriell verarbeitet.

In Europa fast konkurrenzlos

Dass Development Never Stops etwas von seinem Geschäft versteht, macht das jüngste, aufsehenerregende Mandat der Firma deutlich: Black Yak ist ein südkoreanischer Sportswear-Newcomer, der von Kennern derzeit in den höchsten Tönen gelobt wird und an der Leitmesse ISPO in München im Januar 2016 haufenweise Awards eingesammelt hat. Noch nie hat ein Unternehmen elf Auszeichnungen in einer Saison erhalten, davon acht in Gold. Entwickelt wurden viele der Kollektionsteile bei DNS in Adliswil. «Black Yak suchte jemanden, der den europäischen Outdoormarkt versteht und Dinge entwickeln kann, die diesen Standards entsprechen», erinnert sich Marcel Geser an die Anfänge der Zusammenarbeit mit den Südkoreanern. Ins Boot geholt wurde DNS über die zweifache Empfehlung zweier Textillieferanten, mit denen die Schweizer seit Jahren zusammenarbeiten. Dass die Zusammenarbeit nun gewürdigt wird, freut die Adliswiler: «Eine kontinuierliche Innovationsarbeit bringt einfach andere Resultate.»

«Die Idee zu einem Entwurf ist das eine,
die Umsetzung das andere. Ein gutes
Produkt im Bereich der Sportswear muss
auch immer funktionieren.»

Wichtigstes Kapital von Development Never Stops sind nicht die Maschinen und die CAD-Software, sondern in erster Linie die fünf Mitarbeiter, die mit diesen Werkzeugen umzugehen wissen. «Es braucht etwa ein Jahr, bis ein neuer Mitarbeiter die ganzen Technologien verstanden hat und ‹up-to-speed› ist», so Marcel Geser. Deswegen bildet DNS auch einen Lehrling aus – Wellington, der dunkle Bartträger in dieser Reportage, lernt in Adliswil das Handwerk von der Pike auf. Was die Teamgrösse betrifft, wollen Geser und Deutschenbaur nicht mehr unbedingt wachsen, wohl aber, was die Projektvolumen angeht. Der Markt dafür ist gross: DNS besetzt mit seiner Spezialisierung eine Nische, in der die Firma im europäischen Umland derzeit konkurrenzlos ist. Der nächste direkte Mitbewerber ist in Kanada.

DNS in Adliswil verfgt ber ein gut bestcktes Materialarchiv sowie eine hochmoderne Textpuppe fr die Anproben der Prototypen.


«Die Schweiz ist für uns ein guter Standort», räsoniert Marcel Geser. «Natürlich haben wir auch Diskussionen über Frankenstärke, Zoll oder Lohnkosten, und wahrscheinlich könnte man das alles anderswo kosteneffizienter machen. Dann aber müsste man von vorne anfangen, weil es ja in unserem Fall auch stark um die Mitarbeiter geht, welche die Maschinen und Technologien verstehen. Die könnte man wohl kaum einfach wie den Maschinenpark in ein anderes Land verschieben.» ×


PORTRÄT

Development Never Stops LLC – kurz DNS – entwickelt und testet textile Prototypen für Firmen im Bereich der Sportswear- und Performancebekleidung. Das fünfköpfige Team um Marcel Geser und Thomas Deutschenbaur arbeitet mit neuesten technologischen Mitteln an der Verschmelzung von Fashion und Functional Wear und berät Weltmarken wie Adidas, North Face oder Black Yak. Mit einem eigenen Maschinenpark und moderner CAD-Technologie werden produktionsreife Erstmuster erstellt. Die Firma im zürcherischen Adliswil gehört mit dieser Dienstleistung zu den weltbesten Spezialanbietern von angewandter Textilinnovation.


Development Never Stops LLC
Webereistrasse 56
CH-8134 Adliswil

mail@developmentneverstops.com
www.developmentneverstops.com

T +41 44 780 08 09



Weiterführende Links

mehr Bilder