Embrex Ltd. (Switzerland)

Im Namen der Weiblichkeit

— Jeroen van Rooijen
Mit Herzblut, Esprit und Kundennähe hat sich die Embrex aus dem St. Galler Rheintal in den vergangenen vierzig Jahren vom Newcomer zu einem Key Player der Schweizer Stickerei gemausert.

Was ist die erfolgversprechendste Strategie, um im internationalen Textilbusiness heute auch als Schweizer Firma bestehen zu können? Auf diese Frage antwortet René Frei, Mitbegründer der Firma Embrex in Au SG, nicht mit Worten, sondern einer schlichten Geste. Frei fasst sich mit der rechten Hand an die linke Brust, klopft zwei Mal sanft drauf und grinst. Mehr braucht er auch nicht zu sagen, denn diese Handbewegung kennt man auf der ganzen Welt: Mit Herz muss man bei der Sache sein. «Was uns auszeichnet sind Leidenschaft, Kreativität und Kundennähe», so Frei.

40 Jahre sind inzwischen vergangen, seit sich René Frei und sein Businesspartner Jürg Ruess ein Herz fassten und in die Produktion und den Handel mit Schweizer Stickereien einstiegen. Ihrer Firma gaben sie einen reichlich unprosaischen Namen: Embrex steht für «Embroidery Export». Damit war alles gesagt: Frei und Ruess wollten als «junge Wilde» die Stickereibranche aufmischen und deren Qualitätsprodukte in alle Welt verkaufen. «Eine Neugründung in dieser Branche – so etwas gab es davor gar nicht», erinnert sich Frei an den Aufruhr, den Embrex unter den etablierten Schweizer «Stickerei-Baronen» verursachte.

«Wir waren wohl auch etwas naiv, aber dies zu unserem Vorteil. Ausserdem haben wir Tag und Nacht gearbeitet»


Die für den Erfolg notwendigen Skills brachten die Embrex-Gründer zu je 50 Prozent mit: Jürg Ruess war der Kreative – und René Frei, der Strahlemann und unermüdliche Erzähler, war der Stratege und Verkäufer. Beide hatten sie ihr Handwerk in St. Gallen gelernt: Ruess und Frei trafen sich 1972 bei Jakob Rohner, wo sie beide angestellt waren. Sechs Jahre später war der Plan für die eigene Marke gereift. «Wir waren wohl auch etwas naiv, aber dies zu unserem Vorteil. Ausserdem haben wir Tag und Nacht gearbeitet», erinnert sich Frei an die ersten Jahre.


Einige Stickereien im Stil von Monet: Für Kunden werden Stickereien explizit selektioniert und thematisch geordnet.
Hier steckt die Liebe im Details. In der hauseigenen Designabteilung wird stetig an neuen Mustern gearbeitet.

Von Anfang an global tätig

René Frei beschreibt Embrex als «One-Generation-Project» – er und sein Partner wollten mit ihrer Firma nicht mehr und nicht weniger als eine gute Basis für ein gutes Leben schaffen. Der Handel mit Stickereien schien den beiden ein ideales Feld dafür. «Ich wollte Erfolg – und das hat auch funktioniert», erzählt er mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit. Bis zum 30. Lebensjahr war das Ziel erreicht. Frei und Ruess setzten von Anfang an auf internationale Kontakte und Netzwerke – was man heute «globaler Markt» nennt, war damals noch keineswegs selbstverständlich, ja teilweise gar verpönt. Die Embrex war diesbezüglich der Konkurrenz weit voraus.

So richtig in Fahrt kam die Firma Embrex Anfang der 1980er-Jahre, als es Ruess und Frei gelang, den damals grössten Abnehmer für Wäschestickereien für sich zu gewinnen – fünf Jahre lang hatte Frei jede Saison bei Marks & Spencer in London die Kollektion gezeigt, bis die Briten von ihm überzeugt waren. Rasch kamen andere, gewichtige Brands dazu. Mit Aubade, Empreinte, Maison Lejaby, Simone Pérèle oder Victoria’s Secret liest sich die Kundenliste der Embrex inzwischen wie das kleine Einmaleins der Damenwäsche.

Grosszügigkeit, Lässigkeit und eine anziehende Unverschämtheit – die Wesensart der Embrex zeigt sich deutlich, wenn man den Firmensitz in einem äusserlich unscheinbaren 1980er-Jahre-Gewerbehaus im St. Galler Rheintal betritt. Links des Eingangs führt eine mit dunklem Edelholz belegte Treppe schwungvoll ins Obergeschoss, wo René Frei residiert – der ganze ungeteilte und von zwei Seiten lichtdurchflutete Raum ist sein Büro, bestückt mit einem riesigen Tisch aus einem Kloster und einem Meer von Stoffmustern, das links und rechts des Raumes aufgebaut ist.


Die Embrex besitzt ein grosses internes Designarchiv und stellt eine eigene Handschrift im Design sicher.
Global tätig: Nebst M&S zählen Victoria Secret und Maison le Jaby zu den treuen Kunden der Embrex Ltd.

Stickerei bleibt ein «Traumjob»

Typisch für Stickereien der Embrex ist – neben ihrer Qualität – eine moderne Handschrift und ein oft überraschender Zugang zu neuen Motiven. «Die Frische und das Unbeschwerte haben uns gegenüber den Grossen wettbewerbsfähig gemacht», versucht René Frei den Stil zu beschreiben. Verantwortlich für diesen Look war während langer Jahrzehnte Jürg Ruess, der sich inzwischen zur Ruhe gesetzt hat und als bildender Künstler tätig ist. Seither prägt die quirlige, zupackende Doris Baumgartner das Design und entwickelt die Ästhetik der Embrex weiter. Sie bezieht sich in ihrer täglichen Arbeit zum einen auf das reiche Erbe der Firma, andererseits auch auf neue Tendenzen – Embrex will auch im 41. Jahr ihrer Existenz innovativ bleiben.

What’s next, René Frei? «Going through the roof again», lacht der Unternehmer. Die Embrex habe in den letzten Monaten wiederum wichtige neue Kunden gewonnen und Märkte erschlossen. Müde sei er noch lange nicht, auch wenn er technisch gesehen das Pensionsalter erreicht hätte. «So lange ich als Person noch gebraucht werde und geschätzt bin, bleibe ich dabei, denn für mich ist und bleibt es ein Traumjob.» Jungen Menschen, die – wie er damals – in diese Branche einsteigen wollen, rät er: «Wenn man bereit ist, viel zu arbeiten und eine Nische zu erschliessen, ist die Stickerei noch immer eine spannende Branche. Man verdient zwar heute nicht mehr wahnsinnig viel Geld damit, aber man kann immer noch etwas erreichen.»x




PORTRÄT

Embrex Ltd. (Switzerland)

1978 gründeten René Frei und Jürg Ruess im St. Galler Rheintal die Embrex und profilierten sich als Newcomer in der Produktion und dem Handel von Stickereien. Kundennähe, Flexibilität und ein direkter Draht zu den Machern zeichnen die Firma aus. Ausserdem hat die Embrex früh die Chancen des globalen Handels erkannt. Heute verfügt die Firma über ein Joint Venture im chinesischen Pingdu und Produktionsstätten in Thailand und China. Embrex beliefert Weltmarken wie Marks & Spencer oder Victoria’s Secret, aber auch Lingerie-Spezialisten wie Aubade, Simone Pérèle und viele andere. Die Firma ist in Au SG domiziliert, sie betreibt ausserdem zwei Büros in Paris und London.


Embrex Ltd. (Switzerland)
Rosenbergsaustrasse 4
9434 Au SG

T: +41 71 744 66 88

info@embrex.ch
www.embrex.ch

www.instagram.com/embrex_embroideries/