Heimgartner Fahnen AG Wil

Wo die bunten Fahnen wehen

— Jeroen van Rooijen
Fahnen schmücken Strassen, Feste und Gebäude – und stehen für Identität und Stolz von Nationen, Regionen, Vereinen, Institutionen oder Firmen. Hergestellt werden die schönsten bei der Wiler Firma Heimgartner. Ein Besuch in der Produktion des Traditionsunternehmens.

Dass die Firma Heimgartner im Ostschweizer Städtchen Wil Fahnen herstellt, sieht man schon von Weitem: Das Firmengebäude, in dem Showroom, Verwaltung und Produktion untergebracht sind, präsentiert sich üppig beflaggt. Vor dem Firmeneingang steht ein Grüppchen Landes- Kantons- und Gemeindefahnen, ausserdem hängen dichte Reihen von Fahnen von der Fassade und verkünden vom 70-Jahr-Jubiläum des Unternehmens. Variantenreich geht es weiter im Showroom, über den man die Firma betritt.

Es waren die Grosseltern des heutigen Geschäftsführers Nicos Höhener, die im Jahre 1948 in Winterthur mit der Produktion von Paramenten – so nennt man kirchliche Gewänder, Tücher und Insignien – begannen. Diese spielen bis heute eine nicht kleine Rolle im Sortiment der Firma – wenngleich die Fahnen, mit deren Produktion man Mitte der 1950er-Jahre nach der Übernahme der Firma Kurer-Schädler begann, heute das Hauptgeschäft sind.


Fahnen sind heute das Hauptgeschäft

Im Frühling ist Hochsaison

Fahnen trotzen dem Zeitgeist auf beeindruckende Weise, denn Gemeinden, Firmen, Vereine und Festveranstalter kommen auch im digitalen Zeitalter nicht darum herum, Fahnen zu hissen – eine App dafür gibt es nicht, und deshalb ist der 37-jährige Nicos Höhener, der die Geschäftsleitung im Sommer 2018 von seinem Vater Heinz übernommen hat, auch guter Dinge, was die möglichen Folgen der Digitalisierung für das Familienunternehmen betrifft. «Ich denke, dass die Menschen auch in 30 Jahren noch Fahnen hissen werden», sagt Höhener. «Eine Fahne kann man nur schlecht digitalisieren. Wir sind aber durchaus offen für Neues und fürchten die Zukunft nicht.»

«Eine Fahne kann man nur schlecht digitalisieren. Wir sind aber durchaus offen für Neues und fürchten die Zukunft nicht.»

Zwar gebe es im Geschäft mit Fahnen durchaus konjunkturelle Schwankungen – so merken viele Kunden im Frühling, dass ihre Fahnen über den Winter etwas gelitten haben und bestellen neue –, doch habe sich diese Tendenz in den letzten Jahren deutlich abgeflacht, sagt Nicos Höhener. Auch Grossereignisse wie die Fussball-Weltmeistschaft im vergangenen Sommer schlagen nicht mehr wie einst zu Buche, weil im Bereich der Massenartikel heute die Grossverteiler mit Discount-Angeboten mitmischen, und in diesem Bereich will und kann der Fahnenspezialist aus Wil nicht tätig sein. «Unser Geschäft ist weitgehend losgelöst von Trends», so der Geschäftsführer der Heimgartner Fahnen AG «Natürlich gibt es neue Formen, Materialien und Drucktechniken, mit denen wir allenfalls auch neue Geschäftsfelder erschliessen können. Vorderhand sind wir aber mit den Fahnen sehr gut ausgelastet, es drängt nicht.»

Handwerk macht den Unterschied

Wer durch die Produktion im Wiler Stammhaus schreitet, erkennt rasch die Vielfalt des Themas: Neben Landes-, Kantons- und Gemeindefahnen produziert die Heimgartner Fahnen AG Werbe-, Firmen- und Vereinsfahnen, Familienfahnen oder Beflaggungen von Events und bietet dazu einen umfassenden Service an. «Eine Fahne hat man schnell mal gekauft», sagt Nicos Höhener, «doch bei deren Einsatz geht es auch um Standort, Masten, Ausführung, Betrieb und Wartung.» In all diesen Bereichen steht die Heimgartner AG ihren Kunden beratend und ausführend zur Seite. So gibt es eine Vielzahl von Fahnenmasten und Stangen aus der eigenen Werkstatt, mit denen die bunten Tücher optimal präsentiert werden können.


Bei Heimgartner zählt nicht nur die Produktqualität, sondern auch der Service

Augenfällig ist bei einem Besuch in der 2500 Quadratmeter grossen Fahnenproduktion die Liebe zum Detail. Da werden Vereinsfahnen von Hand entworfen, zugeschnitten, in zeitraubender Weise bestickt und liebevoll gebügelt – kein Wunder, kosten solche Einzelstücke oft mehrere Tausend Franken. Wenn es etwas wirtschaftlicher sein soll, kommen auch moderne Digitaldrucker zum Einsatz, etwa solche, die Stoffe passgenau von zwei Seiten bedrucken. «Unser Differenzierungsmerkmal ist die herausragende Fertigungsqualität», sagt Nicos Höhener «Punkto Handwerk bieten wir ein Niveau, das in der Schweiz und im Umland nicht mehr viele bieten können.»

«Unser Differenzierungsmerkmal ist die herausragende Fertigungsqualität»

All dies erfordert gut geschulte, geschickte Mitarbeitende – 50 Personen stehen derzeit bei der Heimgartner Fahnen AG im Dienst. «Wir finden zum Glück noch immer ohne grosse Probleme qualifizierte Leute, auch weil in der Ostschweiz andere Textilhersteller die Produktion eingestellt haben», sagt Nicos Höhener mit Blick auf dieses «menschliche Kapital» der Firma. Es wird auch regelmässig Nachwuchs ausgebildet, etwa im kaufmännischen Bereich, aber auch in der Handweberei, wo Lehrlinge die Kunst der textilen Kreationen erlernen. Solche Stoffe kommen etwa im Bereich der Paramente zum Einsatz, also für den Einsatz in Kirchen. «Im Vergleich zu früher ist dieser Bereich nicht mehr so wichtig, aber für uns hat er emotional und auch geschäftlich noch immer eine grosse Bedeutung», sagt Höhener. «Wir verstehen uns auch in diesem Bereich als Anbieter von Qualitätsprodukten, die eine lange Zeit halten sollen.» Bei Bedarf werden auch historische Stoffe, Gewänder und Fahnen restauriert.


Solides Handwerk und Liebe zum Detail

Für die Zukunft gerüstet

Um die angestrebte, hohe Qualität sicherzustellen, arbeitet die Heimgartner Fahnen AG bevorzugt mit einheimischen Textilpartnern, etwa mit den Firmen Cilander, Meyer-Mayor, Spoerri oder Jenni. So entstand auch das wohl grösste Werbesujet der Schweiz, die 6400 Quadratmeter grosse «Säntisfahne», die seit einigen Jahren jeweils zum Nationalfeiertag am Ostschweizer Gipfel gleichen Namens montiert wird. «Swissness ist für uns sehr wichtig», sagt Geschäftsführer Nicos Höhener. Die lokalen Beziehungen funktionieren teilweise seit Jahrzehnten. Über den Verband Swiss Textiles pflegen die Wiler ausserdem den Austausch mit anderen Akteuren der Schweizer Textilbranche. «Diese Kontakte sind befruchtend und wertvoll», sagt Höhener.

Das für die Textiler typische Gezeter über ausländische Mitbewerber oder den zu starken Franken hört man von Nicos Höhener aber nicht, wenngleich die Turbulenzen der letzten Jahre auch in Wil spürbar waren. «Die Wechselkurse sind auch für uns ein unbequemes Thema, denn natürlich kaufen wir teilweise Material und Zutaten ein, auch im Ausland, und da macht sich der starke Franken schon bemerkbar», sagt er nüchtern. 

Nicos Höhener ist erst 37 Jahre jung – läuft alles weiterhin rund, kann der Geschäftsführer im Jahre 2048 den hundertjährigen Geburtstag der Firma feiern, bevor er die Verantwortung an die nächste Generation überträgt. Wie wird die Heimgartner Fahnen AG dann dastehen? Nicos Höhener lacht und warnt vor allzu viel Erwartungen. «Unser Ziel war es noch nie, rasch und in grossen Schritten zu wachsen, das ist einfach nicht unsere Art», sagt der diplomierte Betriebswirtschafter mit Blick auf die bisherige Familien- und Firmengeschichte. «Natürlich brauchen wir stetige gesunde Zuwächse, aber wir meinen, dass wir derzeit eigentlich eine gute Unternehmensgrösse haben und deshalb weiterhin sanft und organisch wachsen sollten.»

«Unser Ziel war es noch nie, rasch und in grossen Schritten zu wachsen, das ist einfach nicht unsere Art»




PORTRÄT

Heimgartner Fahnen AG Wil
Die 1948 gegründete Heimgartner Fahnen AG ist Spezialistin für qualitativ hochstehende Fahnen, Flaggen und Paramente – Letzteres ist der Sammelbegriff für Textilien, die in Kirchen zum Einsatz kommen. Das Unternehmen verbindet langjähriges Know-how und Partnerschaften mit Schweizer Produktionsqualität und erschafft so herausragende Resultate zu absolut konkurrenzfähigen Preisen. Das Wiler Traditionsunternehmen beschäftigt 50 Angestellte und investiert jede Woche über 2000 Stunden in die Kreation, Produktion und Veredelung ihrer Produkte. 97 Prozent der gesamten Wertschöpfungskette werden im Hauptsitz in Wil/SG realisiert, wo die Fahnen und Gewänder gewoben, bedruckt, bestickt und konfektioniert werden. Geschäftsführer ist Nicos Höhener, Spross der dritten Generation der Fahnenspezialisten.


Heimgartner Fahnen AG
Zürcherstrasse 37
9501 Wil SG

T: +41 71 914 84 84

www.heimgartner.com



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