Lang & Co. AG

Luxus zum Stricken

— Jeroen van Rooijen
Schweizer Qualität hat viele Gesichter: Was für ein Uhrenfan eine Patek Philippe oder ein Modefreak ein Double-Face-Mantel von Akris ist, das ist für die Strickenden dieser Welt ein Garn von LANGYARNS. Die Reidener Firma, die auf eine 150-jährige Geschichte zurückblickt, steht für Handstrickgarne der Luxusklasse.

Ob es feinste Merinogarne, Cashmere oder Fantasiegarne sind – Lang hat sie. «Wer Textiles mag, der wird bei uns glücklich», sagt Inhaber Jakob Lang stolz. «Wir sind das Schäumchen auf dem Kaffee oder die Kirsche auf der Torte, denn wir liefern die Exklusivität und die besonderen Sachen».

Da ist etwa das «Cashmere Light» in einer komplett neuen Konstruktion: Das Vorgarn wird aufgestrickt, dadurch zieht es sich zusammen und bekommt viel Volumen und Weichheit. Der Knäuel zu 25 Gramm kostet 22 Franken – LANGYARNS findet dafür problemlos Kundinnen, denn diese wissen, dass man so etwas sonst nirgends bekommt. «Wir haben heute die Freiheit, die schönsten Materialien der Welt anzubieten», sagt Jakob Lang. Überall leide die Qualität, «aber nicht bei uns, denn wir versuchen, die besonderen Garne zu finden».

Dass die Firma diese Besonderheiten, anders als in den ersten 100 Jahren ihrer Historie, nicht mehr selbst herstellt, ist ein nicht unerhebliches Detail der Firmengeschichte. Erst der Verzicht auf die eigene Produktion hat LANGYARNS ermöglicht, das hohe Niveau zu erreichen. Durch den Entscheid, sich von der industriellen Vergangenheit zu verabschieden, erlangte die Firma die Freiheit, in kreativen Nischen zu denken.


Feinste Cashmere-Qualitten kosten bei LANGYARNS schon mal fast einen Franken pro Gramm Gewicht  Strick-Feinschmecker greifen dennoch gerne zu.
Im Laufe der Jahrhunderte ist das Areal der einstigen Garnspinnerei Lang in Reiden zu einem eigentlichen Garn-Campus geworden, der viel von seinem Charme behalten hat.

Industrielle Vergangenheit

Die 1860 gegründete Firma Lang war ursprünglich eine Garnspinnerei und Zwirnerei. Bei der Unterwassermühle im luzernischen Reiden errichtete der Industriepionier Theodor Lang ab 1860 eine mechanische Baumwollspinnerei, deren Ursubstanz noch heute das Herz der Firma ist. Im Firmenarchiv ist alles vom ersten Tag an mit Originalschriftstücken dokumentiert. Die Energie für die Maschinen lieferte das Flüsschen Wigger. Ab 1890, als der Sohn Ernst Lang an Bord kam, wurde der Betrieb elektrifiziert. Die Turbine von Escher-Wyss wurde in all den Jahrzehnten erst einmal ersetzt (1943) und arbeitet heute noch.

Schon früher stellte Lang auch Handstrickgarne her. Der Betrieb war jedoch hauptsächlich auf eine industrielle Produktion ausgelegt, also spann und zwirnte man, was der Markt hergab. Lange ging das gut – so gut, dass aus der Fabrik in der dritten Generation (Erich Lang) ein richtiges Areal wurde, auf dem auch eine schmucke alte Militärbaracke steht, einst Garnlager und heute die Kantine. Damals begann man auch, unter dem eigenen Namen Garne zu verkaufen. Der vierte Chef, Ernst H. Lang, fand dafür sogar Kunden in den USA und in Japan.

Ab Mitte der 1970er-Jahre, mit der Öffnung der Weltmärkte, brachen schwierigere Zeiten an. Dazu kam, dass sich die Rolle der Frau, wichtigste Zielgruppe für Handstrickgarne, veränderte. Die Frauen wollten nicht mehr zu Hause für Kind, Heim und Herd sorgen, sondern ihr eigenes Leben führen, studieren und Karriere machen. Das Stricken, Symbol des Hausfrauendaseins, fiel bei den Jüngeren in Ungnade. Das Zusammenwirken von ökonomischen und gesellschaftlichen Kräften führte in den 1980er-Jahren zu einem eigentlichen Strukturbruch für die Firma.

1991 wurde die industrielle Garnproduktion geschlossen. Man beschloss, sich ganz auf die Entwicklung und Vermarktung von Handstrickgarnen zu konzentrieren. Trotzdem ging es erst einmal weiter abwärts. Von 1994 an, als der heutige Chef Jakob Lang (Jahrgang 1964) an Bord kam, brach der Markt noch einmal um 40 Prozent ein. Erst 1998 schaffte es Lang, eine Trendwende herbeizuführen.


Gelebte Geschichte: LANGYARNS verfgt ber eine detaillierte Firmenchronik, in der neben Garnpreisen aus den Grnderzeiten auch die Portrts der Patrons erhalten sind.

Kreativität statt Maschinen

«Mein Vater hatte, aus der Tradition der vorhergehenden Generationen heraus, ein industrielles Verständnis», resümiert Jakob Lang, der 1997 die Geschäftsführung des Familienbetriebs übernahm. «Ich habe den Betrieb dahingehend umgekrempelt, als dass wir heute eine marketingorientierte Firma sind.» Lang investierte in Kreativität statt Maschinen. Heute bezeichnet Jakob Lang seine Firma als «Garnentwickler» – «Wir glauben zu wissen, was der Markt will», sagt der Inhaber und Patron. 

Entwickelt werden die Produkte zu 95 Prozent mit renommierten italienischen Spinnereien. Alle sechs Wochen sind Jakob Lang und sein Kreativteam vor Ort, um mit den Produktionspartnern über den Markt zu diskutieren und neue Ideen auszuprobieren. Eine solche Neuheit ist etwa das Merino 130 – es handelt sich um ein sehr hoch gedrehtes, 100-prozentiges Merino-Wollgarn, das sehr fein wirkt, einen seidenen Griff hat und ausgesprochen elastisch ist. «Funktional ist es eine reine Wolle, doch vom Griff her ist es ein leichtes, ganzjähriges Garn – das gab es noch nie», frohlockt Jakob Lang.

Nicht nur in Sachen Rohstoffe will LANGYARNS neue Impulse geben. Die Firma investiert auch viel Zeit, Geld und Manpower in Druckerzeugnisse wie das eigene Magazin «FAM» («Fatto a mano»). Pro Jahr finden sechs Foto-Shootings statt und werden nachvollziehbare Strickanleitungen zu den neuen Shapes und Volumen gefertigt. «Wir müssen den Kunden Ideen geben, die sie weiterhin motivieren, von Hand zu stricken», sagt Jakob Lang. Die Prototypen werden im Hause sowie mit Freelancern entwickelt. Gestrickt werden die Erstmuster zumeist in Heimarbeit. Es gibt Frauen, die permanent für uns mit den Nadeln arbeiten, wir nennen sie unsere Power-Strickerinnen», so Jakob Lang. 


Da schlgt das Herz der strickenden Communities dieser Welt schneller: LANGYARNS geniesst im In- und Ausland einen guten Ruf als Qualittsmarke.
Viel mehr als nur Socken, Pullover und Tagesdecken: Bei LANGYARNS werden sogar Hte mit Krempe gestrickt. Die Muster dazu werden in eigenen Katalogen gedruckt.

Internet optimal nutzen

Ob die Frauen Lust haben zu stricken, hängt von vielen Faktoren ab. «Heute gehen Emanzipation und Kreativität zusammen», stellt Jakob Lang erleichtert fest. In den 1990er-Jahren wurde das Stricken noch oft negativ bewertet, doch heute sei es auch für junge Frauen wieder cool, das Handwerk mit den Nadeln zu beherrschen. «Handstrick ist wie Slow Food», sagt Lang. «Es ist eine Gegenbewegung zu Massenartikeln, es geht es um die Selbstverwirklichung und Meditation, fast wie beim Yoga.» Für viele Menschen sei Stricken eine sinnstiftende Tätigkeit. Die Forschung belegt, dass das kontemplative Anschlagen von Masche um Masche den Anteil der Stresshormone im Körper senkt, die Hirntätigkeit anregt und zu einer verstärkten Ausschüttung von Endorphinen führt, die man auch «Glückshormone» nennt.

Das Stricken sei heute ein Nischen- und Hobbymarkt, so Jakob Lang. Eine Schlüsselfunktion haben dabei die Wollfachgeschäfte. Es sind meist inhabergeführte, kleine Geschäfte, in denen Strick-Fans die Schnittstelle zwischen Hersteller und Verbraucher sind. Um diese zu pflegen, investiert LANGYARNS viel in Musterbücher, Merchandising und Inspiration. Immer öfter suchen die Kundinnen allerdings ihre Ideen direkt im Internet. Jakob Lang macht dies keine Sorgen, im Gegenteil: «Das hilft uns, denn im Netz können wir die ganze Palette unserer Produkte zeigen.»

So wird bei LANGYARNS derzeit intensiv an einer neuen, schnellen Lieferkette gearbeitet, in der die Kundin online das ganze Paket – Strickanleitung, Wolle und Hardware – bestellen kann, allerdings über die Seite des Handelspartners. Der Garnhersteller wird so auch zum Logistikdienstleister, der noch am selben Tag, wie die Ware bestellt wird, das Paket verschickt. «Wir sind inzwischen so weit, dass unsere Handelspartner direkt aus unserem Lager verkaufen können», sagt Lang. Der Laden bekommt die volle Marge für den online verkauften Knäuel, den er unter Umständen selbst gar nicht im Sortiment hat, zahlt dafür aber die Lieferung zum Kunden.


Viel Handarbeit: Um den Handel laufend mit aktuellen Garnmustern zu versorgen, investiert LANGYARNS viel Zeit und Geld.
Auch das gehrt zu einer gut gelten Verkaufs- und Vermarktungsorganisation: Logistik, in der alles flott und effizient vorangeht.

Stricken unterliegt Zyklen

Die Firma Lang hat sich geschickt vom Industrieunternehmen zum wendigen Modeanbieter gemausert. Allerdings müssen Jakob Lang und sein Team weiterhin wachsam bleiben. Der Zeitgeist – Slow Life, Selbermachen, Individualität – spricht zwar für das Stricken, doch das Wetter dagegen. Die Winter werden immer wärmer, die Menschen tragen immer weniger dicke Pullover. Zudem ist das modische Umfeld launisch. «Es gibt Zyklen», sagt Jakob Lang. «Auf sieben gute Jahre kommen sieben schwierige Jahre.»

Seit drei Jahren flache die Lust am Stricken, die in den zehn Jahren davor stets zunahm, wieder ab. Jakob Lang spricht von einer «ambivalenten Kundin», die mal stricke, dann wieder nicht. «Heute Fast Food, morgen der selbst gezüchtete Salat», das sei im Moment sehr verbreitet. Nur in einem Bereich sei der Markt immer stabil: wenn Mütter oder Omas fürs Baby stricken. «Da wird pure Liebe in etwas Fassbares verwandelt», sagt Jakob Lang. Und solche Liebe lässt sich auch in 20 Jahren nicht digitalisieren oder automatisieren.×



PORTRÄT

Die LANG & CO. AG, Herstellerin der Marke LANGYARNS, ist ein Familienunternehmen mit Sitz im luzernischen Reiden. Spezialität des Unternehmens sind innovative Handstrickgarne. Die Firma blickt auf eine 150-jährige Geschichte zurück und wird heute in sechster Generation von Jakob Lang geführt. Zusammen mit Industriepartnern, vorwiegend in Norditalien, entwickelt Lang Garne, die zu den hochwertigsten der Branche gehören. Die Firma, die in Deutschland zudem eine 100-prozentige Tochtergesellschaft hat, beschäftigt 70 Menschen, jährlich werden rund 400’000 Kilo Garn umgesetzt. 75 Prozent der Garne werden exportiert, davon der Grossteil nach Westeuropa. Weitere wichtige Märkte sind die USA, Russland, China oder Südkorea. Sogar südlich des Äquators, in Brasilien oder Australien, werden die Schweizer Garne geschätzt.


LANG & CO. AG
Mühlehofstrasse 9
CH - 6260 Reiden

info@langyarns.com
www.langyarns.com



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