Mitloedi Textildruck AG

Gekonnt Druck machen

— Von Jeroen van Rooijen
Mitloedi im Glarnerland bedruckt sowohl nach alter Tradition als auch mit neuesten Produktionsmethoden Textilien – für Kunden, die Qualität, Handwerk und Kundennähe höher bewerten als nur blosse Meterpreise.

Wahrscheinlich ist es angesichts der majestätischen Glarner Alpen, die Mitlödi wie einen hochgeklappten Mantelkragen umschliessen, nicht erstaunlich, wenn Hans Blesi, Chef und Inhaber der Mitloedi Textildruck AG, oft von der Umwelt spricht. Es ist diese eindrucksvolle Umgebung, die auf den Unternehmer einwirkt und ihn verpflichtet, Sorge zur Welt zu tragen – und dies in einem Gewerbe, das früher zu den schlimmsten Umweltsündern überhaupt gehörte. Doch seit 1937, als die Druckerei gegründet wurde, hat sich vieles verändert. So prägen heute Umweltschutz, nachhaltiger Umgang mit Ressourcen und das Wirken in Kreisläufen das Denken und Handeln der Glarner Textildrucker.

Druckte man früher ausschliesslich mit Sieben auf langen Tischen, kamen später die Flachfilmmaschinen dazu, dann die schnelleren Rotationsdrucker und neuerdings die modernen und flexiblen Digitalprinter. In den grossen Produktionshallen der Mitloedi stehen vier beheizte Tische von 60 Metern Länge für den Flachfilmdruck, die eine unbeschränkte Farbanzahl und Rapporte bis zu 160 Zentimeter Warenbreite ermöglichen. Drei Flachdruckmaschinen machen sogar 240 Zentimeter breite Stoffdessins möglich. Und seit man in Mitlödi auf fünf Maschinen auch digital druckt, sind Kleinmengen oder unbeschränkte Motivlängen auf Naturfasern und Kunstfasern machbar.


Talent trifft Technik: Eine Lernende von Mitloedi bereitet am Computer neue Motive fr den Digitaldruck vor.
Die digitalen Drucker arbeiten noch nicht ganz so schnell wie etwa der Rotationsdruck, dafr sind ganz neue Motivfolgen und Mengen mglich.

Der Digitaldruck ist die Zukunft – was aber nicht heisst, dass die bewährten «analogen» Techniken nicht mehr gefragt sind. «Die digitalen Drucker können nicht alles», erklärt Hans Blesi. «Alleine damit könnten wir die Qualität, für die man uns schätzt, nicht mehr herstellen. Denn wir leben zu 80 Prozent von Dingen, die man digital nicht drucken kann.» Ein Siebdruck hat eine Farbtiefe und eine Materialdurchdringung, die ein digitaler Drucker nicht hinbekommt – vor allem für Kleidungsstoffe oder Foulards ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Hans Blesi verkauft seine bedruckten Wollfoulards mit Erfolg bis in den Iran, wo man die Intensität der Farbe und die Präzision des Drucks hoch schätzt.


Auf das Feingefhl kommts an: Ein Mitarbeiter von Mitloedi dosiert die Farbe fr den Siebdruck eines Foulards der Designerin Sonnhild Kestler.

Pflege von Handwerk und Know-how

Solche Aufträge sind viel wert, denn die Mitlödi Textildruck AG hatte es in den jüngsten Jahren nicht leicht. Der Frankenkurs ist auch hier ein Thema. «Es ist schwierig, aber nicht schwieriger als vor drei Jahren, und eher etwas besser als 2015», sinniert Hans Blesi. «Es geht in dieser Branche immer auf und ab, ich kenne es eigentlich nicht anders.» Zwar drucken noch immer etliche Schweizer Marken und Designer ihre Stoffe im Glarnerland, aber es sind nicht mehr oft Tausende von Metern Ware. Topmarken wie Création Baumann oder Christian Fischbacher lassen genauso hier drucken wie Schweizer Designlabels, etwa Akris oder Sonnhild Kestler. Zum Glück gibt’s auch – nicht zuletzt mit dem Camouflage-Print der Schweizer Armee – immer noch Aufträge von 5000 Meter pro Farbe, die für «eine gewisse Grundlast» sorgen, wie Blesi es nennt.

«Wir kultivieren und pflegen Dinge, die andere fallen lassen. Nur mit der Devise ‹schneller und billiger› gäbe es uns nicht mehr.»

Würde die Mitloedi streng nach ökonomischen Kriterien geführt, gäbe es die letzte Textildruckerei ihrer Art wohl nicht mehr. Doch Inhaber Hans Blesi geht es um mehr als Profit. Er sieht sich und seine Firma als Hüter und Bewahrer von Know-how und fühlt sich verantwortlich für die Pflege eines Handwerks, das auf subtile Weise auf die Menschen einwirkt. Darum bildet die Mitloedi Textildruck AG auch Textiltechnologen/-technologinnen (je nach Talent Richtung Design oder Technik) aus. Wenn Blesi von Qualität und Farben spricht, blüht der kantige Chef auf. Ästhetik, Schönheit und gute Stoffe, das sind seine Lieblingsthemen. «Nicht alles, was wir herstellen, gefällt mir persönlich, aber alles ist auf seine Art schön», sagt Blesi. «Wir kultivieren und pflegen Dinge, die andere fallen lassen. Nur mit der Devise ‹schneller und billiger› gäbe es uns nicht mehr.»


Manchmal kommt es auf feinste Nuancen an: Drucker tfteln am exakt richtigen Sandton fr einen Auftrag.


Nächstes Jahr feiert das Unternehmen seinen 80. Geburtstag. Der Zeitgeist spielt der Mitlödi in die Hände. Purismus und Minimalismus sind vorbei, es geht in der Mode wieder um Intensität, Farbe und Prints. Auch die Heimtextilien sind vielseitig wie lange nicht mehr. «Wir spüren das am Interesse der Kunden, wenngleich noch nicht vollumfänglich in der Auslastung», bestätigt Hans Blesi den Wandel. So finden wieder mehr junge Designer den Weg ins Glarnerland, um dort besondere Dinge kennenzulernen und Ideen umzusetzen. Wer hierher kommt, der will nicht primär so günstig, sondern so gut wie möglich drucken. Die Mitlödi beschäftigt ein eigenes Designteam, das zusammen mit den Kunden an neuen Stoffen arbeitet.


Auf riesigen Maschinen werden Hunderte und Tausende Meter Interior-Stoffe bedruckt, fixiert und gewaschen.
Im Designatelier von Mitloedi wird konzentriert an kundenspezifischen Farbwnschen und Sujets gearbeitet.

Automaten können nicht alles

1973 fing Hans Blesi, dessen Vater schon Textildrucker war, selbst als Chemikerkolorist bei der damaligen Seidendruckerei an – 2007 übernahm er die Firma. Heute ist er 68 Jahre alt, die nächste Generation steht bereit. Sein Sohn und seine Tochter arbeiten ebenfalls in der Firma. Hans Blesi hilft noch tatkräftig mit. Er ist im Betrieb präsent, mischt sich ein, kennt jeden Winkel und Mitarbeitenden. «Wir arbeiten intensiv an den Rezepturen und am Energie- und Wasserverbrauch. Und es gibt weiteres Erneuerungspotenzial, was etwa die Energierückgewinnung durch Wärme betrifft», sagt Blesi. Stolz ist er auch auf die hochmoderne «Farbküche» der Mitlödi, wo die Farben computergesteuert gemischt und vorbereitet werden.

«Es wird immer Leute geben, die Handwerk und die Zusammenarbeit mit Menschen mehr schätzen als hochproduktive, aber emotionslose Maschinen.»

Eine weitere «Robotisierung» der Druckerei sieht Hans Blesi aber skeptisch. Zwar habe der Betrieb durchaus auch Erneuerungsbedarf – die grosse Waschanlage ist etwa 20 Jahre alt und wird in den kommenden Jahren fällig –, doch kann und will die Mitloedi nicht auf den «human touch» verzichten. «Eine komplette Automatisierung der Arbeitswelt, wie sie oft angekündigt wird, dürfte unser Geschäft eher stärken», ist Blesi überzeugt, denn: «Es wird immer Leute geben, die Handwerk und die Zusammenarbeit mit Menschen mehr schätzen als hochproduktive, aber emotionslose Maschinen. Ich glaube daran, dass faire Arbeit einfach auch seinen Preis hat.» ×



PORTRÄT

Die Mitloedi Textildruck AG im Glarnerland bedruckt seit über 75 Jahren Stoffe für Innen- und Ausseneinrichtungen, Bett und Bad, Bekleidung, Accessoires und andere textile Anwendungen. Die Druckerei wurde 1937 als Seidendruckerei Mitloedi AG gegründet und war ursprünglich eine reine Lohndruckerei für Bekleidungsstoffe. Gedruckt wird heute sowohl mit bewährten und hochpräzisen Tisch-Siebdruckmaschinen, mit Rotationsdruckern und neuerdings auch Digitalprintern. Die von Inhaber Hans Blesi geführte Druckerei beschäftigt derzeit rund 60 Angestellte. Betriebsführungen sind nach Voranmeldung von Dienstag bis Donnerstag möglich und kosten 20 Franken pro Person.


Mitloedi Textildruck AG
Fabrikstrasse
8756 Mitlödi

mail@mitloedi.com
www.mitloedi.com

T +41 55 647 88 33 



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