Schwob AG

Feinstes für Küche, Bad und Bett

— Jeroen van Rooijen
Die Textilien der Schwob AG aus Burgdorf werden in der Hotellerie, Gastronomie sowie Kliniken und Residenzen geschätzt. Zum Geschäftsmodell gehört nicht nur die Herstellung und Konfektionierung von Stoffen, sondern auch deren Pflege.

145 Jahre sind eine lange Zeit. 1872, als die Schwob AG gegründet wurde, begann man im Urnertal mit dem Bau des Gotthardtunnels, stritt in Bern über die Totalrevision der Bundesverfassung, diskutierte weltweit über Charles Darwins eben erschienene Evolutionstheorie und versuchte Präsident Ulysses Grant im vom Bürgerkrieg zerzausten Nordamerika, die Zivilgesellschaft zu rekonstruieren. In Bern begannen die Gebrüder Schwob, Leinen zu weben – es war die Boom- und Blütezeit der Schweizer Textilindustrie, der Rohstoff kam aus der Region. Überall, wo ein Bächlein floss, wurden Turbinen installiert, um die Produktion in Gang zu bringen und aus dem Bauernstaat eine Industrienation zu machen.

Heute, bald 150 Jahre später, fliesst das Bächlein, das einst den Aufstieg der Leinenweberei in Burgdorf antrieb, noch wie damals durch das Firmenareal. Das von der Emme abgezweigte Wasser des Dorfbachs sprudelt unter dem Kraftwerk der Fabrik durch, um sich in einer sanften Kurve Richtung Kirchberg zu bewegen. Der Bach ist Teil des denkmalgeschützten Gewerbeensembles der Burgdorfer Leinenweberei Schmid & Cie, welche Mitte der 1980er-Jahre vom Berner Mitbewerber Schwob übernommen wurde. Ein grosser Teil der originalen Bausubstanz aus der Gründerzeit ist noch erhalten, etwa die alten Weberei-Hallen oder der charakteristische Trockenturm, in dem früher die Textilien zum Trocknen ausgehängt wurden.


Das alte, denkmalgeschützte Produktionsgebäude der Schwob AG, in dem heute nicht nur die eigenen Webmaschinen stehen, sondern auch andere Firmen eingemietet sind.
Die Textilproduktion der Schwab AG, nicht wenige der Mitarbeiter arbeiten schon seit Jahrzehnten für die Firma und kennen die Maschinen bis ins Detail.

Substanz ist erhalten

Das Kraftwerk ist heute ein alternatives Café und in Teilen des Hauptgebäudes sowie der Produktionshalle sind Werkstätten und externe Firmen eingemietet. Doch gewebt wird noch immer. Und zwar auf elf Jacquardmaschinen, die jährlich rund 300 Kilometer feinstes Textil liefern, das von Hotels, Restaurants, Residenzen und Kliniken in aller Welt geschätzt wird. Die Schwob AG produziert, veredelt und pflegt Textilien für diese Bereiche – und dies im höchsten Marktsegment. Ob es international bekannte Luxushotels, exklusive Privatspitäler oder der Palast des Sultans von Oman sind – man bettet sich auf Schwob bzw. tafelt auf deren Textilien.

«Das, was wir hier machen, liesse sich ohne die Geschichte der beiden Firmen heute so nicht mehr realisieren», sagt Stephan Hirt, CEO und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schwob AG. Damit meint er: Die alte Substanz der Firma ist auch ihr Kapital. Solches Renommee und Know-how lassen sich nicht einfach aus dem Hut zaubern. Es gründet in Tradition, Erfahrung und zu guten Teilen auch im firmeneigenen Archiv, in dem alle Entwürfe und Kundenbeziehungen akkurat aufgeführt sind. Damit man auch Jahre später noch Nachbestellungen realisieren kann.

200 Mitarbeitende beschäftigt die Schwob AG gesamthaft, davon etwa einen Viertel am Hauptsitz in Burgdorf, wo gewebt und konfektioniert wird und die Verwaltung arbeitet. Der Rest verteilt sich auf die vier eigenen Wäschereien in Niederuzwil, Olten, Arlesheim und Jonen. Denn das Geschäft der Bernbieter besteht nicht nur aus dem Weben von Stoffen, sondern zu guten Teilen auch aus deren Bewirtschaftung und Pflege. «Wenn in einem Restaurant ein Glas Wein umkippt, so bringt mich das nicht aus der Ruhe», sagt Stephan Hirt, «denn ich weiss, dass das Tischtuch wieder sauber wird, wenn es bei uns gewaschen wird». 7500 Tonnen Textilien sind es im Jahr, die wieder frisch gemacht werden.


Für exklusive Kunden werden textile Träume realisiert, Schwob webt für die feinsten Hotels der Welt, etwa das Dolder Grand Hotel in Zürich.

Leasing ist gefragt

Wenn ein grosses Hotel neue Tisch- und Bettwäsche braucht, kostet eine solche Ausstattung eine ordentliche Stange Geld – Stephan Hirt spricht von 100’000 bis 200’000 Franken, die zu investieren sind. In solchen Fällen spielt die Schwob AG auch immer öfter «Bank» für ihre Kunden – die Textilien werden vermietet oder mit einem Leasingvertrag zur Verfügung gestellt. Komplett mit eigenem Logo oder Dessin. Solche Produkte werden dann über mehrere Jahre amortisiert und die Kosten über die Waschzyklen in den Schwob-Betrieben abgerechnet. «Es sind inzwischen einige Hundert Kunden in der Schweiz, die solche Dienste nutzen», sagt der Geschäftsführer.

Vor allem für die Schweizer Hotellerie, die aufgrund der Frankenstärke nicht die einfachsten Zeiten durchlebt, sind solche Angebote eine gute Sache. «Wenn die Zukunft unsicher ist, wird nicht investiert, und das haben wir die letzten Jahre erlebt», erinnert sich Stephan Hirt. Doch das «Tal der Tränen» sei durchschritten. 2016 war für die Burgdorfer Firma ein erfolgreiches Jahr. Der CEO und sein Team haben einen Gewinn erwirtschaftet, der umgehend in neue Anlagen in den Wäschereien investiert wurde. Auch in neue Webmaschinen wurden wiederum einige Hunderttausend Franken gesteckt. «Wir müssen ständig die Kosten kontrollieren, gleichzeitig aber auch die Qualität hochhalten», beschreibt Stephan Hirt die unternehmerische Herausforderung.

In der Produktion werden Hunderte Meter feiner Stoffe konfektioniert und akkurat zusammengefaltet, das meiste davon geschieht von Hand.

Flexibilität und «Swissness»

Entwicklungspotenzial sieht der Geschäftsführer der Schwob AG im Gesundheitswesen. «Gerade Privatkliniken sind heute praktisch Hotelbetriebe, die medizinische Dienstleistungen anbieten», weiss Stephan Hirt. Für diese Kunden hat sein Team ein neues, flammhemmendes VitaCare-Betttuch aus reiner Baumwolle entwickelt, auf das Stephan Hirt sehr stolz ist. Solche Innovationen werden gesucht – umso besser, wenn sie aus der Schweiz kommen. «Wir sind heute die Einzigen, die in dieser Branche noch in der Schweiz weben. Durch die eigene Produktion sind wir sehr flexibel, was die Mengen und Fristen betreffen». So könne man auch noch reagieren, wenn ein Hotel erst sechs Wochen vor der Eröffnung bemerkt, dass es eigene Textilien haben möchte.

Zusätzliche Marktanteile gewinnen möchten Hirt und sein Team auch noch im Ausland, wo erst zehn Prozent des derzeitigen Geschäftsvolumens stammen. Mit «made in Switzerland» kann gepunktet werden – und das ist bei der Schwob AG kein schickes Marketinggeplauder, sondern handfester Teil des Geschäftsmodells. Die Firma erfüllt die seit Anfang 2017 geltenden Anforderungen der neuen «Swissness»-Verordnung – 60 Prozent der Produktionskosten müssen im Inland anfallen – dank ihrer eigenen Produktion und Konfektion mühelos.×




PORTRÄT

Die 1872 von den Gebrüdern Schwob in Bern gegründete Firma stellt Tisch- und Bettwäsche in Premiumqualität her. 1980 übernahm sie die Leinenweberei Schmid & Cie. in Burgdorf, in der sich seit 1993 der Firmensitz befindet. Die Stoffe von Schwob werden in der eigenen Weberei in Burgdorf auf elf Jacquardmaschinen gewebt und konfektioniert. Mit vier eigenen Wäschereien bietet Schwob seinen Kunden aus dem Bereich der Hotellerie, Gastronomie und des Gesundheitswesens einen umfassenden Rundumservice an. Die Firma beschäftigt rund 200 Mitarbeitende und stellt jährlich gut 300 Kilometer eigene Textilien her. Schwob setzt ganz bewusst auf den Standort Schweiz und das damit verbundene Qualitäts- und Dienstleistungsversprechen.


Schwob AG
Kirchbergstrasse 19

CH - 3401 Burgdorf



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