Sefar AG

Die Fäden der Zukunft

— von Jeroen van Rooijen
Textiles Handwerk lebt, auch wenn es hochtechnisch ist, von der Weitergabe von Wissen und Können über Generationen. Die Ostschweizer Filtrations-Spezialistin Sefar AG bildet deshalb überdurchschnittlich viele Textilpraktiker sowie Textiltechnologen aus.

Im Sommer 2016, so war in den Nachrichten zu lesen, bleiben in der ganzen Schweiz geschätzte 13’000 Lehrstellen unbesetzt. Weil Jugendliche heute tendenziell länger zur Schule gehen, bevorzugt akademische Bildungswege anstreben und gewisse Berufe gar nicht mehr lernen wollen. Dabei ist für viele Branchen die Verjüngung durch Lernende von vitaler Bedeutung. Nicht zuletzt deshalb, weil so firmenspezifisches Wissen und Know-how weitergegeben werden.

Die Ostschweizer Sefar AG, Spezialistin für hochfeine Filtergewebe, hält dieser Entwicklung bewusst entgegen. Jedes Jahr werden Dutzende Lernende beschäftigt – 2016 sind es 31 Personen, die bei der Sefar in Ausbildung sind. Die Sefar bildet an drei Standorten Textiltechnologinnen und Textiltechnologen in den Fachrichtungen Verarbeitung, Mechatronik und Veredlung sowie Textilpraktikerinnen und Textilpraktiker aus, ausserdem werden Lernende im Bereich des Kaufmännischen, der Informatik und Logistik ausgebildet.


Das Einziehen von zehntausenden extrem feiner Fden, um ein vielfaches dnner als ein Haar, erfordert von den Lernenden Geschick und eine ruhige Hand.
Die Sefar bedient sich zwar der textilen Technologien, etwa des Webens, stellt aber ausnahmslos hochtechnische Industrieprodukte her.

Ausbildung «on the job»

2015 haben sechs Mitarbeitende erfolgreich die Lehrabschlussprüfung bestanden, diesen Sommer schliessen neun junge Berufsleute ihre Lehre ab, im Herbst kommen wieder sechs neue dazu. Zuständig für die Berufsausbildung bei der Sefar ist Cornelia Grill. «Unsere Lernenden sind Jugendliche, die etwas mit den Händen machen wollen und technische Fähigkeiten haben», erklärt sie. Die Lehrlinge lernen bei der Sefar «on the job». «Eine interessierte, wache Person kann man nach kürzester Zeit schon in der Produktion einsetzen», weiss Cornelia Grill. «Und im letzten Semester ihrer Lehre sind sie oft schon in der Position, in der sie später ihre erste Stelle haben.»

«Ich bin absolut überzeugt davon, dass wir diesem einzigartigen System der Berufsausbildung in der Schweiz Sorge halten müssen».

Denn wer bei der Sefar eine Ausbildung macht, hat anschliessend gute Chancen, beim Unternehmen weiterzuarbeiten. «Unsere Lernenden bleiben mehrheitlich über die Ausbildungszeit hinaus in der Firma», sagt Cornelia Grill. So hätten die Textiltechnologen eine etwa 90-prozentige Anschlussmöglichkeit, und auch bei den Informatikern hat die Sefar steigenden Bedarf an fähigen Mitarbeitenden. Immerhin geschehen zwei Drittel der Produktion der Sefar in der Schweiz.

Es geht aber nicht nur um den «Bedarf» an Manpower. Für Hanspeter Meier, Produktionsleiter bei der Sefar, ist das Ausbilden von Lehrlingen auch eine gesellschaftliche Verpflichtung: «Lehrlinge sind bei uns nicht einfach günstige Mitarbeitende. Vielleicht sind sie unter dem Strich gar teurer als ausgebildete Angestellte», sagt Meier, «doch ich bin absolut überzeugt davon, dass wir diesem einzigartigen System der Berufsausbildung in der Schweiz Sorge halten müssen.»


Absolute Przision und Regelmssigkeit zeichnen die textilen Produkte der Sefar aus. Die Lernenden arbeiten daran mit, die Qualittsziele zu erreichen.

Präziser Blick und Fingerspitzengefühl

Um bei der Sefar zu reüssieren, braucht es von den Lernenden viel handwerkliches Geschick. Denn die Firma stellt Gewebe her, deren Feinheit mit blossem Auge kaum mehr sichtbar ist, aus Fäden, die ein Vielfaches dünner als menschliches Haar sind. Da müssen schon einmal 40’000 Fäden in eine Webmaschine eingelegt werden. «Es geht um Fingerspitzengefühl, auch das Auge muss präzis sein», sagt Hanspeter Meier. «Man muss die Geduld und Ruhe haben, die Maschine wieder in Gang zu bringen, wenn mal irgendwo ein Faden reisst.»

Ob Jugendliche dieses Talent haben, erkennen auch Cornelia Grill und Hanspeter Meier nicht immer auf den ersten Blick. «Man sieht erst nach einer gewissen Zeit, wo sich ein Lernender am besten eignet», sagt Meier. Je nachdem werden diese dann in der Weberei, Werkstatt oder Veredlung eingesetzt. Eine Lehre, so die Sefar-Verant­wort­lichen, sei immer auch die gemeinsame Suche nach dem richtigen Weg. Darum werden auch immer wieder Jugendliche engagiert, die zuerst etwas anderes versucht haben und auf den zweiten Anlauf in diese Branche kommen. «Aber Hand aufs Herz», sagt Hanspeter Meier: «Die wenigsten wissen doch als Teenager schon, was sie werden wollen, die meisten geraten durch die Umstände in etwas hinein.»


Eine Webmaschine ist nur so gut wie die Techniker, die mit ihr arbeiten und genau wissen, wie die Maschinen einzustellen und zu warten sind.

Sefar steckt in vielem drin

 Natürlich aber haben technische Textilien, wie sie die Sefar herstellt, nicht denselben «Glamour» wie Bekleidungsstoffe. «Unsere Produkte sind funktional sehr unterschiedlich, aber fürs Auge sehen fast alle gleich aus, nämlich weiss», erklärt Meier. Dafür sei man bei der Sefar am Puls der Zeit, was industrielle Innovation angeht. «Wir hatten noch nie so viele Leute in Forschung und Entwicklung wie heute», sagt Hanspeter Meier. Die Produkte müssen immer noch präziser und besser werden, noch mehr Anwendungen bewältigen und Prüfungen bestehen. Dies mit einer standardisierten Produktion zu kombinieren sei die grosse Herausforderung. Und daraus entsteht schliesslich auch der Berufsstolz, den die zukünftigen Berufsleute der Sefar im Laufe der Lehre entwickeln.

«Unsere Produkte sind funktional sehr unterschiedlich, aber fürs Auge sehen fast alle gleich aus, nämlich weiss.»

«Kritisch betrachtet muss man sagen, dass dieser Job zuerst einmal nicht einer ist, den man bewusst sucht», weiss Hanspeter Meier. «Aber wir sehen oft, dass sich während der Ausbildung etwas zu etablieren beginnt und diese Leute dann als beherzte Sefar-Textiler abschliessen.» Das Wissen darum, wie vielfältig und verbreitet die Ostschweizer Textilprodukte sind, mache den Reiz des Jobs aus.


Fingerspitzengefhl ist gefordert: Ein Lernender der Sefar mischt die Farbpigmente, um die Siebdruck-Textilien im typischen Gelb zu frben.
Handwerk trifft Innovationsgeist: Die Fachleute der Sefar verbessern ihre Maschinen laufend, um die Qualitt zu sichern und wettbewerbsfhig zu sein.

Ob es nun Siebe in Geschirrspülern und Kaffeemaschinen, Britta-Wasserfilter, hochfeine Schutzabdeckungen vor dem Mikrofon von Smartphones, Bauteile in der Automobilindustrie, ein Streifen zur Blutzuckermessung oder grössere textile Flächen wie das Dach des Tennis-Courts von Wimbledon, die Schirme in Medina oder die einlaminierten Stoffe in der Glasfassade des neuen Würth-Hauses in Rorschach sind – stets steckt Sefar drin. Doch nie steht der Name drauf. «Die Konsumentinnen und Konsumenten sind sich der Rolle unserer Produkte oft gar nicht bewusst», lächelt Meier durchaus zufrieden. «Aber wir wissen es, und dies macht uns zu stolzen Berufsleuten.» ×



PORTRÄT

Die Sefar AG mit Sitz in Heiden ist 1995 aus dem Zusammenschluss der SST (Schweizerische Seidengazefabrik Thal), SSZ (Schweizerische Seidengazefabrik Zürich) und ZBF (Zürcher Beuteltuchfabrik) entstanden. Der Name leitet sich von «Seiden-Fabrikation Réunion» ab. Das Unternehmen stellt textile Feingewebe her, die für die industrielle Prozessfiltration von Fest- oder Flüssigsubstanzen sowie für Siebung und Trocknung verwendet werden. Weitere Geschäftsbereiche sind die Herstellung von industriellen und medizinischen Filterkomponenten, von Gazen für den Textildruck sowie Gewebe für architektonische Anwendungen. Die Firma verfügt in der Schweiz über weitere Produktionsstandorte in Thal und Wolfhalden, zusätzlich hat sie je ein Werk in Thailand und Rumänien. Mit Monosuisse verfügt die Sefar-Gruppe über eine eigene Produktion von feinen und mittleren Garnen in der Schweiz, Rumänien, Polen und Mexiko. Sefar-Produkte finden ihre Anwendung in der Elektronik, Grafik, Medizintechnik, Automobil-, Lebensmittel- und Pharmaindustrie bis hin zur Rohstoffgewinnung oder am Bau. Im Jahr 2015 erzielte die Sefar-Gruppe einen Umsatz von 282 Millionen Franken und beschäftigte weltweit rund 2200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


Sefar AG
Freibach
9425 Thal

info@sefar.com
www.sefar.com

T +41 71 886 32 32



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