Tisca Tischhauser AG

Mit frischen Ideen
zu neuer Stärke

— Von Jeroen van Rooijen
Die Tisca Tischhauser AG im Appenzellerland ist eine Spezialistin für Teppiche im Wohn- und Objektbereich. Dank kontinuierlichem Erfolg im Kerngeschäft und Innovationen in neuen Marktsegmenten, etwa dem der Transportindustrie und der Sportbeläge, blickt die traditionsreiche Firma optimistisch in die Zukunft.

Ende Mai 2018 wurde auf dem eleganten Zürcher Münsterhof ein 1600 Quadratmeter grosser, pinkfarbener Rasenteppich verlegt – und zwar nicht irgendwelche Dekoware, sondern ein «echter» Sportkunstrasen, wie er auch in Fussballstadien oder auf Sportplätzen zum Einsatz kommt. Nur eben war der Rasen nicht grün, sondern pink – weil dies die Farbe der Zürcher Festspiele ist, zu deren Auftakt der Rasen verlegt wurde. Gefertigt hat ihn die Appenzeller Firma Tisca, und zwar in ihrem Werk in Urnäsch, am Fusse des Säntis.

Dass die Tisca solche Kunstrasen fertigt, war vor 13 Jahren noch keineswegs selbstverständlich. Damals kam der junge Andreas Tischhauser, Enkel des Firmengründers Anton Tischhauser, nach dessen Namen die Teppichfirma Tisca benannt ist, von seinen «Wanderjahren» in den USA ins Appenzellerland zurück und begann, mit der Kunstrasenidee zu experimentieren. Ihm schien, dass es eine bessere, haltbarere Variante der damals üblichen, mit Granulat eingestreuten («verfüllten») Kunstrasen geben müsse. Er wollte den Rasen tuften, so wie man das mit Teppichen tut. Wie das geht, wusste er, schliesslich fertigt die Tisca seit 78 Jahren schon Teppiche – hand- und maschinengetuftete sowie auch gewobene.

Der für die die Zürcher Festspiele ausgelegte pinkfarbige Rasenteppich wurde bei Tisca in Urnäsch produziert
Erst die Nachfrage der Kunden fĂĽhrte zum Einsatz der Rasenteppiche im Objektbereich

Von Beginn an nachhaltig

1940, als Anton Tischhauser die Firma am Stammhaus in Bühler AR gründete, waren es vor allem handgewobene Teppiche für den Wohnbereich, welche die Tisca verkaufte. Viele davon waren aus rezyklierten Bekleidungsfasern gewoben, denn während des Zweiten Weltkriegs herrschte auch in der Schweiz eine Knappheit an Garnen. Anton Tischhauser war also – aus der Not – ein früher Nachhaltigkeitspionier.

Für Andreas Tischhauser und seine Brüder Matthias und Nick, die heute gemeinsam die Geschäfte der Tisca Tischhauser AG führen, war keineswegs immer klar, dass er ins Familienbusiness einsteigen würde. «Wenn man im Appenzellerland aufwächst und jung ist, will man irgendwann mal weg», erinnert er sich an die Jahre nach seinem Marketingstudium in St. Gallen. «Amerika war das pure Gegenteil des Appenzellerlandes», so Tischhauser – und fast wäre er in den USA geblieben, hätte sich 2005 nicht die Gelegenheit gegeben, mit den Sportrasen ein ganz neues Geschäftsfeld zu entwickeln. «Diese Chance wollte ich packen», erinnert sich der Unternehmer.

«Wenn man im Appenzellerland aufwächst und jung ist, will man irgendwann mal weg»

Das Feld, das Andreas Tischhauser betrat, war keines, das leicht erobert werden konnte. «Der Kunstrasen hatte damals kein besonders gutes Image und wir fanden auch in der Firma nur schwerlich Leute, die das machen wollten», so Tischhauser. Dies habe sich inzwischen komplett verändert. In der Entwicklung gab es immer wieder Rückschläge, ausserdem wartete der Markt nicht auf einen neuen Player aus der kleinen Schweiz. «Es dauerte, bis wir die ersten zwei bis drei Plätze bestückt hatten, nach fünf bis zehn Jahren begann die Sache zu rollen.»

«Der Kunstrasen hatte damals kein besonders gutes Image und wir fanden auch in der Firma nur schwerlich Leute, die das machen wollten»

Eine Alternative zum Naturprodukt

Rasend schnell stechen Abertausende von robusten Nadeln von oben in das Trägermaterial, ein Greifer zieht das Garn zu einer Schlinge und schneidet es zugleich auf, damit der Flor entsteht. Läuft die Maschine einmal, kann man Hunderte von Metern fast automatisch durchlaufen lassen, ohne dass dafür viel Manpower nötig ist. Ein Mitarbeiter kontrolliert parallel verschiedene Maschinen und greift ein, wenn irgendwo ein Faden reisst oder eine Nadel bricht. Weil die Maschinen in der Regel zuverlässig und autonom laufen, kann diese Produktion bis heute in der Schweiz bewerkstelligt werden. «Ohne die Anlagen geht es nicht», sagt Andreas Tischhauser, «wir mussten die Produktion für den Kunstrasen zwar adaptieren, aber im Prinzip hatten wir die Maschinen bereits im Hause, als wir das Projekt anpackten.»

Bis zu 14 Meter breit sind die Teppichbahnen von Tisca

Der grosse Unterschied des Tisca-Kunstrasens gegenüber bisherigen Angeboten ist seine Konstruktion. Er ist maschinengetuftet und durch die Verwendung unterschiedlich gekräuselter und glatter Polyamidgarne so trittfest, dass man ihn nicht wie bisher mit Gummigranulat zu «befüllen» braucht. Dies macht ihn in der Herstellung etwas teurer, im Unterhalt und der Wartung aber langfristig günstiger. Ausserdem wirkt der Tisca-Kunstrasen, wie auch Kritiker eingestehen, wesentlich natürlicher als andere Standards. Andreas Tischhauser gibt aber auch zu bedenken: «Der Kunstrasen ist eine Alternative oder Ergänzung zum Naturprodukt, keine Konkurrenz dazu.»

Belastungstests im eigenen Labor

Andreas Tischhauser und seinem Team ist es in den letzten Jahren gelungen, dem Kunstrasen ein neues Image zu geben und damit einen neuen Geschäftszweig der Tisca zu etablieren: Der Umsatzanteil der Division Kunstrasen liegt inzwischen bei bald 20 Prozent. Und es sind nicht nur Betreiber von Sportplätzen und Fussballstadien, die auf die Qualität aus dem Appenzellerland zählen, sondern immer öfter auch Privatkunden. «An private Interessenten hatten wir am Anfang gar nicht gedacht», lacht Andreas Tischhauser, «auf diese Idee kamen wir erst durch die Nachfrage von Kunden.» Diese fanden auch die Farbvarianten – etwa leuchtendes Pink – spannend.

Gegenüber einem professionellen Fussballrasen sind die Produkte für den Haus- und Heimgebrauch etwas leichter gearbeitet. Die grosse Herausforderung bei Sportbelägen ist dagegen ihre Belastbarkeit im Wettkampf und ihre Haltbarkeit. Ausserdem geht es um Wetter-, Wind- und Lichtbeständigkeit. Mit Labortests, etwa einem simulierten Gebrauch durch Stollenschuhe, prüft die Tisca, wie sich die Teppiche entwickeln. Für andere Teppiche, etwa solche, die im Büro gebraucht werden, gibt es Druckbelastungstests oder auch den Bürostuhlsimulator, der einige Tage nonstop mit Rollen auf dem Textil herumfährt.

In Zukunft noch nachhaltiger

Der Wagemut zum Experiment und die Diversifizierung haben der Firma Tisca gut getan und den Betrieb sicherer gemacht. Auch der Kernbereich – jener der textilen Bodenbeläge – ist gesund und wächst. In den letzten Jahren wurde die Firma zudem stark internationalisiert – dies hat es möglich gemacht, in die neuen Geschäftsfelder Sport und Transport zu investieren. Dank der verschiedenen Standbeine sind die eigenen Werke in Bühler, Urnäsch und Sennwald gut ausgelastet, und auch die ausländischen Tochterfirmen, wo etwa handgewobene und handgetuftete Teppiche entstehen, tragen zum Erfolg der Appenzeller Teppichspezialisten bei.

Teppiche aus nachhaltigen Rohstoffen – ein zukunftsweisendes Thema

Was die Zukunft der Firma betrifft, ist Andreas Tischhauser optimistisch. Weltweit spricht man in Design- und Architekturkreisen vom Comeback des textilen Wohnens mit Tapeten, Vorhängen und Teppichen. «Wir merken es am Interesse, gerade dem der jungen Leute, dass der Wind zu unseren Gunsten dreht», sagt Tischhauser. Es brauche aber gewiss noch Zeit, bis der Trend in der Masse angekommen ist. Deswegen weist Tischhauser gerne auf die Vorteile von Teppichen hin: Sie regulieren die Luftfeuchtigkeit von Räumen, entziehen der Luft Staub und Bakterien, dämpfen den Lärm, isolieren, sind angenehm zu berühren und geben den Räumen mehr Charakter.

Für die kommenden Jahre wird das Thema Nachhaltigkeit – wie schon zu Beginn der Geschichte der Tisca – ein zentrales Motiv werden. Andreas Tischhauser ist überzeugt, dass das Schliessen von Kreisläufen und das Entwickeln von Systemen zur Rückführung von Rohstoffen in den Herstellungsprozess Erfolg bringende Themen sind. So hat Tisca kürzlich eine neue Kollektion aus rezyklierten Garnen auf den Markt gebracht – die Rohstoffe werden aus industriellen und zivilisatorischen Abfällen gewonnen und in einem speziellen Prozess wieder in erstklassiges Polyamid verwandelt.

Zur Weiterentwicklung solcher Themen steht die Appenzeller Firma im engen Austausch mit anderen Akteuren der schweizerischen Textilbranche. «Sei es zu Fragen des Rechts oder der Beschaffung, Swiss Textiles bietet wertvolle Dienstleistungen für Produzenten», resümiert Andreas Tischhauser. Zwar sei die Tisca mit ihren schweren, bis zu 14 Metern breiten Teppichbahnen ein ziemlicher Exot im sonst eher feinen Schweizer Textilfach, doch begegne man sich unter Verbandsmitgliedern auf Augenhöhe.

«Sei es zu Fragen des Rechts oder der Beschaffung, Swiss Textiles bietet wertvolle Dienstleistungen für Produzenten»


PORTRÄT

Tisca Tischhauser AG

1940 gründete Anton Tischhauser senior seine Teppich-Handweberei im appenzellischen Bühler, 1955 kamen mechanische Webstühle dazu. 1965 wurde das Tiara-Werk in Urnäsch eröffnet, wo Teppichböden getuftet wurden, 1990 wurde der Bau erweitert und eine neue, 130 Meter lange Beschichtungsanlage eingebaut. Heute ist die Tisca Tischhauser AG noch immer ein familiengeführtes und unabhängiges Unternehmen, gleichzeitig aber auch eine weltweit tätige Firmengruppe. Sie wird geführt von der dritten Generation der Familie Tischhauser. Als Komplettanbieter für hochwertige Textilprodukte für den Innen- und Aussenbereich werden Teppichböden, Stoffe, Textilien für den Transportbereich sowie textile Sportbodenbeläge produziert.


Tisca Tischhauser AG
Sonnenbergstrasse 1
9055 Bühler

T +41 71 791 01 11

www.tisca.com 



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