Weseta Textil AG

In Trockenen Tüchern

— Von Jeroen van Rooijen
Die Glarner Firma Weseta blickt auf eine über 150-jährige Textiltradition zurück und stellt heute eine der  weltbesten Frottierwaren her.

Wahrscheinlich machen sich die wenigsten nach dem Baden oder Duschen Gedanken über das Tuch, mit dem sie gerade den Körper abtrocknen. Ein Frottier- oder Badetuch ist eine Selbstverständlichkeit, und nicht selten hat man es schon sehr lange. Doch die Zeiten ändern sich – mehr und mehr Menschen sehen das Bad als private Wellnessoase und richten es entsprechend ein. Ein schönes Badezimmer ist heute nicht mehr einfach die «Nasszelle», sondern ein Teil der Lebenskultur und damit auch ein (subtiles) Statussymbol. Und gerade Menschen, die ein Eigenheim besitzen, stimmen ihre Handtücher und Waschlappen bewusst und farbharmonisch auf ihr Bad ab.
Hier kommt die Weseta aus dem Glarnerland ins Spiel. Weseta ist das Kürzel für «Weberei Sernftal» und wurde als Markenbegriff in den 1960er-Jahren etabliert. Allerdings treten die Glarner Frottierspezialisten selten unter ihrem eigenen Namen auf, sondern liefern ihre Produkte meist unter dem klingenden Namen ihres wichtigsten Partners Christian Fischbacher aus. Auch Globus schreibt auf die flauschigen Tücher aus dem Glarnerland seinen eigenen Namen drauf. Manor und Coop lassen ihre Kunden dagegen wissen, dass sie Frottierwaren bei Weseta kaufen. Und bei Jelmoli in Zürich, bei Betten Rid in München und bei Woodlane in Hongkong ist Weseta gar die Nummer 1.

Bevor die Baumwollfden verwebt werden, werden sie in einem aufwendigen Prozess geschlichtet, um fr die Frottierweberei robuster zu sein.

Pioniergeist lebt weiter

Die Geschichte der Weseta ist eng mit der des Kantons Glarus verwoben. In dem von drei Seiten eingekesselten Tal kennt fast jeder die «Weberei Sernftal», die wie ein Schloss über der Ortschaft Engi thront. Das 1864 vom damals erst 19-jährigen Leonhard Blumer gegründete Industrieunternehmen war einst bestimmend für die ganze Region – Hunderte von Menschen aus dem damals mausarmen Tal stellten hier Frottier- und Damastgewebe, Hemdenstoffe sowie Tisch-und Bettwäsche her. Blumer schuf nicht nur Arbeitsplätze, sondern brachte auch die Elektrizität nach Engi, gründete eine Schule und initiierte die Sernftalbahn.

Die in einer Lauge aus Mais- und Kartoffelstrke geschlichteten Garne bilden ein stabiles, fast flchiges Rohgarn fr die Weberei der Weseta.


Nach der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre und dem Zweiten Weltkrieg blühte das Unternehmen noch einmal auf, doch ab den 1970er-Jahren machte sich die zunehmende Konkurrenz aus Niedriglohnländern bemerkbar, das Geschäft brach ein. Doch die Weseta erfand sich neu, setzte auf die richtigen Partner und schaffte es, den Produktionsstandort und damit ein wichtiges Stück «made in Switzerland» zu erhalten. 2014 feierte die Firma ihren 150. Geburtstag.

«Nicht die Webmaschinen, sondern motivierte Mitarbeitende sind unsere Garantie für gleichbleibende Qualität. Wir haben hier eine Liebe zum Detail, die sich eine grosse Firma gar nicht leisten kann.»

Geführt wird die Weseta Textil AG in fünfter Generation von CEO und Inhaber Conrad Peyer, der den Betrieb 1995 von seiner Familie übernahm. Er hat sich zum Lebensziel gemacht, dieses Kapitel Schweizer Textilindustrie am Leben zu erhalten und setzte von Anbeginn auf eine exklusive Nische im oberen Preissegment – eine Entscheidung, die sich bezahlt machte. Seine Firma ist heute die einzige Schweizer Spezialistin für Frottierwaren und produziert jährlich rund 200 Tonnen Textilien. Dies entspricht etwa einer Million Handtücher. Gestemmt wird diese Last von nur rund 40 Mitarbeitenden, die die zwölf Webmaschinen programmieren, warten und bedienen, die Rohwaren zur Weiterverarbeitung bereit machen und die Nähstrasse zur Konfektionierung steuern.

Die Jacquard-Webmaschinen der Weseta arbeiten mit bis zu 600 Umdrehungen pro Minute, um ein flauschiges Rohgewebe zu produzieren.
Auf einer fast schon antik anmutenden Maschine wird das ungefrbte Rohgewebe von der Trommel der Webmaschine geholt und in lose Lagen gelegt.

Moderne Technik und geschulte Hände

Die Produktion eines Handtuchs beginnt mit der Veredlung des Baumwollrohgarns, das zuerst in einer grossen Maschine «geschlichtet» wird, damit es den speziellen Anforderungen der Frottee-Weberei standhält. Ohne das heisse Bad aus Mais- und Kartoffelstärke, welches die Tausenden von feinen Fäden ganz am Anfang des Prozesses durchlaufen, würden sie bei der Weiterverarbeitung reissen. Auf riesigen Rollen kommen die geschlichteten und ungefärbten Garne in die Weberei, wo sie auf grossen, laut ratternden Maschinen zu flauschigen textilen Flächen verwoben werden.
Das Rohgewebe wird anschliessend auf einer uralten Maschine in lose Lagen gelegt und von Hand zu Ballen geschichtet – auf der Rolle würden die Textilien zu sehr belastet. Anschliessend geht die Rohware in die Färberei, was im nahen Umland geschieht. Von dort kommen die gefärbten und gewaschenen Textilien zurück ins Weseta-Stammhaus in Engi, um zugeschnitten, etikettiert und gesäumt zu werden. Eine komplexe Nähstrasse erledigt diese Schritte fast vollautomatisch. Von Hand werden die Standardprogramme fortlaufend gesteuert, um dem eigenen Anspruch an Perfektion zu genügen. Zudem muss die Maschine regelmässig von Menschenhand mit Rohware und Nähgarn «gefüttert» werden.

Bevor das Rohgewebe in die Frberei kommt, wird es zu losen Ballen zusammengefaltet, um die lockere Struktur des Produkts zu schonen.
Die fertigen Frottierwaren der Weseta werden einzeln von Hand kontrolliert und zusammengefaltet, bevor sie ins hauseigene Lager gelegt werden.


«Nicht die Web- und Nähmaschinen, sondern motivierte Mitarbeitende sind unsere Garantie für gleichbleibende Qualität», sagt Conrad Peyer. «Wir haben hier eine Liebe zum Detail, die sich eine grosse Firma gar nicht leisten kann.» Jedes Tuch wird nach der Konfektionierung von Hand kontrolliert. Erst dann wird es verpackt und ins 2000 Quadratmeter grosse Lager gelegt. Dieses Lager ist ein entscheidender Marktvorteil der Weseta, denn damit kann die Firma ganzjährig und innerhalb von 24 Stunden Bestellungen direkt in die Filialen der Grossverteiler nachliefern.

Badekultur auf dem Vormarsch

Im Wesentlichen sind es vier Frotteequalitäten, mit denen die Weseta arbeitet. Die exklusivste ist «Dreamflor», eine geschützte Marke der Glarner und mit einem Gewicht von 420 g/m² nicht nur ein sehr substanzielles, sondern auch unvergleichlich weiches Frottiertuch mit Mäanderbordüre. Es ist in elf Grössen und 28 Farben erhältlich. Des Weiteren gibt es «Dreampure» (450 g/m², in sechs Grössen und 14 Farben), das puristische und schwere «Puro» (ohne Bordüren, 600 g/m²) und «Classic» (stabile Schaftbordüre, 480 g/m²). Die eigene Linie der Weseta trägt den Namen «Douceur», ist ein kuscheliges Walkfrottiertuch mit einer modernen Endbordüre und hat ein Gewicht von 520 g/m². Alle Produkte sind aus reiner Baumwolle und zertifiziert mit Öko-Tex Standard 100. Auf Wunsch werden auch Logos und andere Motive eingewebt oder gedruckt.

«Ein Badezimmer ist heute nicht mehr einfach die «Nasszelle» – mehr und mehr Menschen sehen das Bad als private Wellnessoase und richten es entsprechend exklusiv ein.»

Seine Produkte seien «weniger ein Produkt als ein Gefühl», ist Weseta-CEO Conrad Peyer überzeugt. Und dies empfinden mehr und mehr Menschen. Der Zeitgeist spielt Conrad Peyer und der Weseta in die Hände: Wellness ist ein Megatrend, der anhält. Ein schönes Frotteetuch ist nicht nur etwas, das man selbst jeden Tag geniesst, sondern auch eine schöne Geste gegenüber Gästen. Und so erstaunt es nicht, wenn der Weseta-CEO von Kunden erzählt, die bei Handelspartnern vorstellig werden, um Frottierware in ihrem ganz eigenen Farbton und Dessin zu bestellen. Auch das ist – ab einer Mindestmenge von 250 Stück – möglich. Die Glarner machen den Spagat zwischen industrieller Fabrikation und inhabergeführter Manufaktur mit einer Elastizität, wie sie nicht manche 150-jährige Firma hat. ×


PORTRÄT

Die 1864 gegründete Weseta in Engi im Glarner Sernftal stellt hochwertige Frottiertücher, Badeteppiche, Bademäntel und andere hochwertige Gewebe her, die zumeist unter dem Markenbegriff Christian Fischbacher in den Handel kommen. Zu den Spitzenprodukten der inhabergeführten Weseta gehört das flauschige und dennoch leichte Dreamflor-Frottiertuch. Zum Kundenkreis zählt die Weseta gehobene Fachgeschäfte im In- und Ausland, führende Warenhäuser sowie Hotels und Unternehmen, die von der Weseta individuelle Frottiertücher herstellen lassen. Die Firma beschäftigt rund 40 Mitarbeitende und stellt jährlich 200 Tonnen Textilien her.


Weseta Textil AG
Bergen 4
CH-8765 Engi

mail@weseta.ch
www.weseta.ch

T +41 55 642 61 00



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