Zimmerli of Switzerland

Made by hand,
made in Switzerland

— Von Jeroen van Rooijen
Die Firma Zimmerli aus Aarburg gehört zu den weltbesten Herstellern hochwertiger Damen- und Herrenwäsche und bedient eine lukrative Nische des Modemarktes mit ihren Kollektionen. Mit einer neuen Produktionsstätte im Tessin will Zimmerli nun das nächste Kapitel seiner Entwicklung aufschlagen. Ein Manufakturbesuch.

Wer kennt sie nicht, die Unterhosen, Shirts und Pyjamas von Zimmerli – sie werden von St. Petersburg bis Dubai, von New York bis Peking geschätzt und getragen. Auch Hollywoodstars mögen die Shirts, sie kommen immer wieder in Blockbustern zum Einsatz – Sylvester Stallone trägt genauso Zimmerli wie George Clooney, Mel Gibson, Hugh Jackman, David Beckham oder Bruce Willis. Und zumindest in der Schweiz ist Zimmerli deshalb längst Inbegriff der «Eleganz für drunter» – ist man zumindest geneigt zu sagen. Denn obwohl die Marke bei Modefachleuten und Kennern ein fester Wert ist, kennt die Mehrheit der Menschen – also Otto Normalverbraucher und seine Frau – die Aarburger Spezialitäten noch zu wenig.

«Eines unserer zentralen Themen ist die Bekanntheit der Marke», sagt Marcel Hossli, CEO von Zimmerli. «Da müssen wir noch viel tun. Marken bekannt zu machen braucht jedoch vor allem Zeit. Mit Geld alleine erreicht man das nicht.» Im Frühling 2008 kam Marcel Hossli zu Zimmerli, 2009 übernahm er das Ruder vom langjährigen Patron und Inhaber Walter Borner, der das 1871 gegründete Unternehmen ab 1992 sukzessive neu aufgestellt und auf dem Zenit seines Erfolgs der deutschen von Nordeck Holding verkauft hatte. Vor seinem Engagement bei Zimmerli war Hossli bei Carl F. Bucherer in Luzern sowie bei Patek Philippe in Genf tätig – er kennt das Geschäft mit Luxusmarken also. «Natürlich ist es ein anderes Gewerbe, dennoch gibt es Parallelen», sagt Hossli. «Zimmerli ist eine starke Marke und macht ein Luxusprodukt, das von Hand in der Schweiz hergestellt wird. Das ist sehr ähnlich wie bei den besten Uhren.»

Die Stoffe von Zimmerli werden von Hand in maximal dreissig Lagen gelegt und schliesslich von Hand mit dem Bandmesser zugeschnitten.


Lernen musste Marcel Hossli allerdings, dass die Textilbranche sehr direkt und unbarmherzig auf konjunkturelle Einbrüche reagiert. Auf die Glanzzeiten von 2004 bis 2007 folgten einige sehr anspruchsvolle Jahre, die Nerven erforderten. «Unser Geschäft entwickelt sich ziemlich genau parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung der Märkte», erinnert sich Hossli an die Zeit, als die Börse einknickte und sich eine Rezession breitmachte. «Wenn die Leute weniger Geld zum Ausgeben haben, dann sparen sie eben zuerst bei der Wäsche.» Heute sei man allerdings wieder gut auf Kurs und erziele Umsätze, die deutlich über denen von vor 2008 liegen.

Das ganze Spektrum der Marke zeigen

Um Zimmerli weiter voranzubringen, setzen Marcel Hossli und sein Team auf vier Massnahmen: Zimmerli Boutiquen, den Ausbau der Kollektion, die Entwicklung des Onlinegeschäfts und die Steigerung der Produktivität der eigenen Manufaktur im Tessin. Diese Entwicklungen gehen Hand in Hand. «Es scheint mir entscheidend, eine gute Distribution zu haben, bevor man die grossen Kampagnen fährt», erklärt Marcel Hossli die Strategie. Deswegen eröffnet Zimmerli derzeit forciert eigene Boutiquen und Monobrand-Flächen in Zusammenarbeit mit Franchise-Partnern. «Dort können wir das ganze Spektrum unserer Kollektion zeigen», sagt Hossli. Inzwischen sind es zwölf Verkaufspunkte weltweit, die exklusiv und nur Zimmerli führen. Eigene Boutiquen seien zwar kostspielig, doch auch ein ausgezeichnetes Kommunikationsmittel.

Eine Mitarbeiterin, sie ist in dieser Disziplin die beste des Teams in Mendrisio, fertigt auf einer Spezialmaschine Streifen f├╝r die B├╝ndchen der Shirts.


Die Kollektion wird sowohl bei den Damen wie den Herren behutsam weiterentwickelt. Für die Produktentwicklung ist die langjährige Designchefin Esther Ember in der Aarburger Zentrale zuständig. Die Markenwahrnehmung von Zimmerli sei historisch bedingt eine tendenziell männliche, doch ist in den letzten Jahren gerade die Damenkollektion überproportional gewachsen und macht inzwischen mehr als einen Drittel des Umsatzes aus. «Die Damenwäsche ist ein hart umkämpfter Markt, aber das Potenzial ist auch grösser als bei den Männern», sagt Marcel Hossli. Allerdings kann Zimmerli mit seiner puristischen Damenwäsche nicht alle Kulturen gleich gut bedienen – «für Asien und Lateinamerika sind wir teilweise zu wenig bunt und auffällig», so Hossli.

«Zimmerli macht ein Luxusprodukt, das von Hand in der Schweiz hergestellt wird – ähnlich wie die weltbesten Uhren.»

Ein guter Teil des Umsatzes macht Zimmerli seit der Eröffnung der eigenen eBoutique im Dezember 2014 im Netz. Gerade Kundinnen und Kunden, die Zimmerli bereits kennen, würden gerne übers Internet nachbestellen, erzählt der Zimmerli-Kapitän. «Für uns war die eigene eBoutique aber auch eine Massnahme zu Qualitätssicherung», ergänzt Marcel Hossli. «Auch hier können wir – wie in physischen Läden – unsere Welt so darstellen, wie wir sie sehen.» Und deswegen arbeitet Zimmerli auch bewusst an der Weiterentwicklung seiner Lookbooks und Bildwelten. Soeben wurde eine neue Kampagne in Andermatt fotografiert. Viel positives Feedback hatte Zimmerli in jüngster Zeit auch auf die Kooperation mit dem Zürcher Designer Julian Zigerli, der die Capsule-Kollektion «Sunny Side Up» mit Zimmerli schuf und damit eine jüngere Zielgruppe erreichte.

Feine Sache: Die Unterhemden von Zimmerli sind nicht nur aus besten Stoffen gefertigt, sondern auch bis ins Detail sorgf├Ąltig verarbeitet.

Neue Manufaktur in Mendrisio

Last but not least hat Zimmerli dieses Frühjahr seine Produktion im Tessin neu organisiert. Früher wurden die Stoffe in Mendrisio zugeschnitten und in Coldrerio konfektioniert, seit Mitte April geschieht alles in einem einzigen, modernisierten Betrieb in Mendrisio. Das Projekt, im Spätherbst 2015 beschlossen, wurde in drei Monaten durchgeführt. «Es hat alles gut geklappt, die Produktion läuft vom ersten Tag an rund», freut sich Marcel Hossli beim Rundgang durch die helle, konzentriert arbeitende Manufaktur, in der 55 Mitarbeiterinnen tätig sind. «Ziel ist es, bei gleichbleibend hervorragender Qualität rationeller zu arbeiten», erklärt Marcel Hossli. Bei der Qualität der Stoffe und Zutaten werde aber kein Rappen gespart, versichern Hossli und Produktionschef Andreas Frei beide überzeugend.

Eine Mitarbeiterin des neuen Produktionsbetriebs in Mendrisio r├╝stet ein Produktions-Los mit Zimmerli-Loungewear f├╝r den solventen Herrn.
Die Mitarbeiterinnen in der Zimmerli-Manukfatur im Tessin arbeiten teilweise schon jahrzehntelang f├╝r den Schweizer Luxus-W├Ąschehersteller

Der Zuschnitt der Textilien, von den besten Wirkwarenherstellern eigens für Zimmerli produziert und angeliefert, erfolgt in maximal 30 Lagen und von Hand. Verwendet werden beste Fasern – vorwiegend Baumwolle, Merinowolle, Seide und feines Micromodal. Mit einem Bandmesser werden die Schnittteile millimetergenau vorbereitet und zu Produktionslosen von je 30 Stück je Artikel gerüstet. Jede Näherin hat ihre eigenen Spezialitäten – während die eine die schönsten Bündchen näht, schafft die andere die gleichmässigsten Säume und eine andere wiederum die schönste Vermählung von Jersey und Spitze. Das fertige Produkt wird einzeln geprüft, gebügelt, sorgfältig verpackt und bei der exquisiten Sea Island-Kollektion sogar mit einem Zimmerli-Produktepass versehen, der von der jeweiligen Mitarbeiterin unterschrieben wird. Einmal die Woche fährt die Spedition mit den fertigen Produkten nach Aarburg bei Olten, wo das Lager und die Verwaltung der Firma sind.

«Handmade in Switzerland ist noch immer
ein Versprechen, das sehr attraktiv ist.»

25 Personen sind es, die in Aarburg das «Hirn» der Firma bilden. «Wir sind eine grosse Marke, aber ein kleines Team, also muss jeder tüchtig mit anpacken», sagt Marcel Hossli. So besucht auch er regelmässig die Kundinnen und Kunden im In- und Ausland, um die Temperatur des Marktes zu prüfen. Und natürlich trägt der Chef dabei auch immer die Maximen und Überzeugungen von Zimmerli persönlich in die Welt hinaus: «Handmade in Switzerland – eine ganz entscheidende Säule unserer Marke – ist noch immer ein Versprechen, das sehr attraktiv ist. Darauf baut auch unsere Zukunft.»×


PORTRÄT

Die Geschichte von Zimmerli beginnt 1871, als die Färberei von Johann Jakob Zimmerli Konkurs macht und dieser seine Frau Pauline nach Basel schickt, um die neu aufkommenden Strickmaschinen kennenzulernen. Schon bald lernt sie das Stricken von feinsten Strümpfen und Herrensocken – die Basis der Zimmerli-Erfolgsgeschichte. Wenig später produziert Pauline Zimmerli bereits gerippte Stoffe und Wäsche und beschäftigt mehrere Arbeiterinnen. 1878 kauft das Pariser Luxus-Warenhaus «Le Bon Marché» das erste Mal bei Zimmerli ein. An der Weltausstellung von 1900 gewinnen die Strickwaren von Zimmerli den Grand Prix sowie die zweite Goldmedaille. Zehn Jahre später wird Zimmerli in Brüssel die dritte Goldmedaille verliehen. 1992 übernehmen die Cousins Walter und Hans Borner die Firma. Sie definieren das, was Zimmerli of Switzerland heute noch ausmacht: Luxus-Unterwäsche aus edelsten Naturfasern in feinster Verarbeitung. 1998 wird die Damenkollektion wieder eingeführt. 2006 wird Walter Borner zum «Unternehmer des Jahres» gekürt. Ein Jahr später verkauft er Zimmerli an die Holding von Nordeck International. Seit 2009 führt Marcel Hossli als CEO die Firma Zimmerli, die aus den Firmen Zimmerli Textil AG in Aarburg und dem Produktionsbetrieb Zimmerli Coldrerio SA im Tessin besteht. Zimmerli beschäftigt heute 80 Mitarbeitende an den beiden Standorten und beliefert rund 600 Kunden in 25 Ländern der Welt.


Zimmerli Textil AG
Feldstrasse 25
4663 Aarburg

info@zimmerli.com
http://www.zimmerli.com

T +41 62 787 40 00



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